Die Amigos scheinen von ihrem eigenen Spiel nicht sonderlich überzeugt zu sein. Bezeichnen sie doch das Spiel schon im Titel als Mist. Aber wer ist Alche? Oder meinten die eigentlich Elche? Also Elchemist? Ja, Elche machen Mist. Aber dann ist die Grafik doch sehr unpassend zum Thema gewählt. Mmmmmh. Merkwürdig.
Nach einem ersten Spiel klärt sich dann das Rätsel. Der Titel ist doch Alchemist. Es ist das Spiel zu einer Kochsendung oder so. Aber einer Kochsendung aus dem Mittelalter. "Heute Folge 549: Wir brauen uns einen schicken Liebestrank." Sehr praktisch. Wenn unsere Mitspieler plötzlich Frühlingsgefühle für uns hegen, lassen sie uns bestimmt gewinnen.
2 bis 5 Hobbyköche wollen mal wieder die meisten Punkte haben
und gewinnen. Dazu offenbaren sie ihre besten Rezepte, wie zum Beispiel Oma Hannelores Hausmacher Rhizinus-Öl. 10 Kessel stehen bereit, um unsere Braukünste unter Beweis zu stellen. Aber irgendwas in den Kessel werfen und Siegpunkte abstauben, so läuft das nicht. Sonst versinkt die Welt in Chaos und Anarchie. So geht das nicht. Wo sind wir denn hier? Also wirklich. Maximal 5 Zutaten passen in den Kessel, sonst läuft's über. Wer hat schon gerne Hermans Fußpilzelexir auf dem guten Spieltisch kleben? Fünf verschiedene Zutaten gibt es: Vogelbein, Pilze, Schlangengift, Trollaugen und Spinnen. Also alles das, was in jeder guten deutschen Wurstfabrik verarbeitet wird.
Doch nicht genug. Nach Paragraph 456b - c des Spielregel - Kompendiums auf Seite 3 dürfen wir jede Zutat nur 2 mal pro Rezept verwenden. Jedes Rezept darf nur einmal vorhanden sein. Außerdem dürfen die Zutaten, die oberhalb des patentierten Schnellkochkessels abgebildet sind, nicht im Rezept verwendet werden.
Es ist ja so, wir wollen Punkte machen. Und das können wir auf 2 Arten. Entweder wir geben Tante Fridas Haarwuchsmittelrezept preis. Dann können wir uns selber aussuchen, wieviele Punkte wir dafür bekommen wollen. Jedenfalls so in etwa. Dem Spiel liegen Ruhmesplättchen mit den Werten 1 bis 10 bei. Eines davon können wir unserem Rezept zuordnen. Wobei es jedes Plättchen nur einmal gibt. Dann bekommen wir einmalig
die Punkte auf der Siegpunktleiste gutgeschrieben. Obendrein erhalten wir die 2 Zutaten, die über dem Kessel abgebildet sind. Es ist gar nicht so einfach sich selber Punkte zu geben. Denn geben wir uns 10 Punkte für Ernas Rotbäckchensaft, erhalten wir diese nur ein einziges Mal. Unsere Wettbewerber können dieses Rezept aber beliebig häufig kopieren. Das kopieren ist die zweite Möglichkeit an Siegpunkte zu gelangen. Also einen Punkt geben? Das auch lieber nicht. Denn wir profitieren selber auch von der Beliebtheit eines eigenen Rezeptes. Immer wenn ein Konkurrent eines unserer Rezepte kopiert, gibt er alle dafür benötigten Zutaten ab, eine davon erhalten wir davon, der Rest geht aus dem Spiel. Und Zutaten können wir immer gut gebrauchen. Unser Anfangsvorrat geht schnell dem Ende entgegen und um gerade mal 1 bis 2 weitere Zutaten zu bekommen, müssen wir einen ganzen Spielzug opfern. Einen Spielzug den andere vielleicht schon wieder nutzen, um kräftig Punkte abzusahnen.
Also entweder ein Rezept entwerfen, ein Rezept kopieren oder
Zutaten nehmen. Ganz einfach. Am Ende des Spiels, wenn nur noch 3 Zutatenarten im Vorrat liegen, gibt es noch Punkte für die eigene Schule. Jedem Spieler wird zu Beginn des Spiels eine Zutatenfarbe, die Schule, zugelost. Wurde hiervon besonders viel verbraucht, gibt es noch einmal Punkte. Dann noch Punkte für unverbrauchte Zutaten, fertig, der Sieger steht fest.
Die Spieldauer ist mit 50 Minuten angegeben, das ist sicherlich etwas hoch gegriffen. Alchemist spielt sich flott. Die Regeln sind nicht zu kompliziert und bieten auch Gelegenheitsspielern einen raschen Zugang. Alchemist lässt sich komplett aus dem Bauch spielen. Nur hat dies den Nachteil, das man dann am Ende gar nicht versteht warum denn jetzt wer gewonnen hat. Irgendwie unbefriedigend. Natürlich kann man auch versuchen , Alchemist total zu durchdenken. Aber auch diese Spielweise bleibt letztlich unbefriedigend. Zum einen weil sich dann dieses locker-flockige Spiel mit Denkpausen füllt, zum anderen weil es dann zu sehr Denksportaufgabe wird. Gut, die ein oder andere Taktik erschließt sich einem schon, aber das Spiel völlig zu durchdenken, nein, da muß dann zuviel um die Ecke gedacht werden.
Zu Zweit funktioniert Alchemist gut, es ist sogar etwas einfacher zu duchschauen. Oft errät man welcher Schule der Mitspieler angehört. Bei 5 Spielern bleibt die Wartezeit zwischen den Spielzügen meist angenehm kurz. Ja, Alchemist ist ganz angenehm, aber leider nicht aufregend und spannend. Belanglos ist es nicht, aber wirklich das Gefühl das Ergebnis gut beeinflussen zu können, habe ich auch nicht. Es hinterlässt einfach nicht das Gefühl - toll, das muß ich unbedingt wieder Spielen. Sollen wir gleich eine Revanche spielen? Nein, man greift doch ohne zu zögern zum nächsten Spiel.
Schön anzusehen ist es ja, auch wenn orange und gelb zu dicht beieinander liegen und diese schnell verwechselt werden. Da ist es schade, das der Spielreiz nicht ganz mit der Grafik mithalten kann. Aber da eine Partie nicht ewig dauert, kann man zwar beruhigt wieder mitköcheln, aber satt machen diese Rezepte nicht.
Wertung: 6 von 10
Alchemist, Carlo A. Rossi, Amigo, 2-5 Spieler, ab 10 Jahren, 50 Minuten, Grafik: Volkan Baga, 2007
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