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Jerusalem

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(5 - user rating)

JerusalemJerusalem im 12. Jahrhundert - Kreuzritter, Ehre, Macht und dramatische Liebesverwicklungen. Das ist der Stoff für einen Historischen Roman. Aber dramatische Liebesverwicklungen hat Jerusalem nicht wirklich zu bieten. Historie schon eher. Denn in längst vergessenen Zeiten, da gab es sie, die Mehrheitenspiele.

El Grande als Vater all dieser Spiele stand mal in der Blüte seiner Zeit. Doch nun gibt es die Worker - Placementspiele und Mehrheiten sind in Vergessenheit geraten.

Doch Jerusalem ist bereit tapfer für eine Renaissance der Mehrheitenspiele Jerusalemzu kämpfen. Wird dieses Vorhaben gelingen? Wird unter dem Banner der Red Gloves die Liebe das Mehrheitenspiel siegen?

Ich werde versuchen mich kürzer zu fassen als ein Historischer Roman.

Ziel: den höchsten Turm bauen.

Wie: in 4 Phasen

JerusalemPhase eins. Die Helden betreten die Bühne bzw. die Buchseiten bzw. den Spielplan. Jeder Spieler ersteigert sich eine Rolle. Nein, kein Klopapier, ein Amt. Kennt Ihr doch, beispielsweise aus Puerto Rico! Na also. Diese Rollen bestimmen die Spielreihenfolge, den Nachschub an Knappen (in historischen Romanen UND in Mehrheitenspielen wirklich unentbehrlich) und geben uns ein kleines Extra. Außerdem dürfen wir uns in nun ersteigerter Reihenfolge Aktionskarten aussuchen. Diese bringen wie so üblich Vorteile. Mal ein bißchen, mal ein bißchen mehr.

Phase 2: Die am Anfang noch knappen Knappen setzen wir nun in Spielerreihenfolge (siehe Amt) auf den Plan. Der Plan zeigt die Machtzentren der Stadt Jerusalem. Jedes Machtzentrum ist wiederum in 3 Bereiche unterteilt: ein Großes plus 2 Kleine. Die Großen bringen dann später eine größere Ausschüttung an Zeugs, die Kleineren  kleinere Ausschüttungen. Hier wird das Mehrheitenspiel schon fast ein ketzerisches Workerplacementspiel!

Phase 3: Weihnachten. Wir kriegen was. Zwar keine Schminckpuppe, Jerusalemaber doch schöne Sachen. Zum Beispiel Priviligen. Die wollte ich doch schon immer haben. Die sind schick und bringen Vorteile. Anschließend wird geerntet. In jedem Bereich werden die Mehrheiten überprüft und entsprechend dem Feld gibt es Ausschüttungen. Die Ämterkarten entscheiden bei Gleichständen. Was gibt es denn? Knappen, Privilegpunkte, Geld.

Phase 4: Turmbau plus evtl. Ereignis. Nun bauen alle Spieler an ihrem Turm. Das kostet Privilegpunkte, die wir gerade mühsam zusammengesammelt haben. Erster sein ist hier gar nicht toll. Denn jedes Stockwerk kostet: die Höhe des Stockwerks + 1 und +1 falls man dieses Stockwerk als Erster baut.

Eventuell tritt nun ein Ereignis ein, dann geht es in die nächste von 5 Runden, danach gewinnt, wie gesagt der höchste Turm.

Jerusalem ähnelt einem historischem Roman wirklich perfekt. Gefälliges Material, solide Mechanismen, aber nichts Neues. Das wäre ja an sich kein Problem. Nur ist dieser Mix altbekannter Zutaten eben nicht besonders fesselnd und spannend.

Warum nicht?

Zum einem haben wir von Runde zu Runde mehr und mehr Knappen. Damit sind die Knappen dann irgendwann gar nicht mehr knapp, aber die anderen Spieler haben auch viele. Das heißt der Einsatz muss nach wie vor wohlüberlegt sein. Und dieses Wohlüberlegen artet aus. Gerade in voller Besetzung werden die Wartezeiten schon sehr qualvoll. Nun bin ich nicht besonders geduldig, aber selbst den hartgesottenen Extremgrüblern in meinern Runden war das dann doch zuviel.

Der Fülle der Knappen wird versucht gegenzusteuern. In Runde 2, 3 und 4 findet ein Ereignis statt. Meist fliegen aus einem der Machtzentren Knappen raus. Wo das passieren wird , ist nicht vorhersehbar. Da kann man Glück haben und es passiert wo man selber nicht stark vertreten ist. Man kann aber eben auch echt Pech haben. Und wenn ich schon ständig Warten und Grübeln muss, gefällt mir dieser Glücksanteil nun gar nicht.

Jerusalem - der TurmWenn Jerusalem nach 5 Runden endet, bleibt das Spielergebnis oft unbefriedigend. Spielen alle sehr aufmerksam, sind die Spielergebnisse sehr knapp. Oft gibt es einen Gewinner und er Rest teilt sich den zweiten Platz. Warum jetzt wer gewonnen hat, läßt sich nicht wirklich sagen. War der Gewinner WIRKLICH besser oder hat er bei einem Ereignis spielentscheidend Glück gehabt?

Zu Viert kann Jerusalem gespielt werden. Das ist dann noch okay. Zwar durch die Fülle der vielen besseren Spiele im Grunde überflüssig, aber erträglich, denn es gibt ja durchaus einige interessante Entscheidungen zu treffen. Ganz anders sieht das zu Zweit aus. Jerusalem wird dann unsäglich langweilig. Gut, die Grübelphasen sind deutlich kürzer. Die Entscheidungen liegen dann aber auch sehr viel klarer auf der Hand. Notwendigkeiten und Spielverlauf zeichnen sich zu Zweit einfach zu klar ab. Die Turmstockwerke in den jeweiligen Spielerfarben sind zu Zweit schnell verbaut. Laut Regel soll man sich dann anderweitig, z.B. mit Münzen behelfen. Ebenfalls unbefriedigend.

Insgesamt schafft Jersualem es bei weitem nicht, einen neuen Trend zu setzen. Will ich Mehrheiten, so nehme ich sehr viel lieber, altes, bewährtes aus dem Spieleregal.

Wertung zu Viert : 5 von 10

Wertung zu Zweit: 3 von 10


Jerusalem, Michele Mura, Red Glove, 2 bis 4 Spieler, 2010

 


 
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