spielenswert.de

Spielekritiken

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Kopf an Kopf

E-Mail Drucken
(5 - user rating)

Kopf an KopfKomm in die Hufe! Mach! Noch 5 auf Flocke! Was macht dieser Mistgaul denn da!!!!!! Looooos! Beweg Deinen Arsch! Noch 5 auf die 8! Warum schon wieder die 4? Ich spiele Heisser Tipp.

Habe ich schon mal erwähnt das ich Pferde zwar dekorativ aber sonst eher öde finde? Wie, glaubt Ihr nicht? Gut, ist auch gar nicht wahr, war aber früher mal echt wahr.

Doch diese Einstellung hat sich dramatisch geändert. Was geschah? Royal Turf von Reiner Knizia/ Alea und Dick Francis traten in mein Leben. Erstes zeigte mir wie spannend ein Pferderennen sein kann. Zweites zeigte mir wie spannend ein Pferderennen sein kann. Zweites machte mich außerdem zum Vollprofi - ich konnte voll mitreden, mindestens so gut wie die Ex - Reitbeteiligungen aus meiner Klasse, die  ehemaligen Wendyleserinnen.

Kopf an Kopf ist ein Pferderennspiel. Ein ganz einfaches. Würfeln, Kopf an Kopf- 10 auf die 9!entsprechendes Pferd vorwärts bewegen, Sprint, eine Aktion, Karte nachziehen, fertig. Hört sich nicht originell an und das Material ist durchwachsen. Kopf an KopfMeckern Nummer 1: die 10 Pferde werden mit Aufklebern beklebt. Und wer sich beispielsweise an Linie 1 erinnert, der weiss eins. Das hält nicht ewig. Die Dinger lösen sich irgendwann ab, sehen selbst bei großer Sorgfalt schief aus. Da nützt auch ein Set Ersatzaufkleber nichts. Ganz schrecklich sieht der Schachteleinsatz aus. Hochglanz - billig, aber es passt alles perfekt hinein. Ansonsten ist das Material zwar nicht gerade eine Augenweide, aber zweckmässig und stabil.

Kopf an Kopf ist natürlich kein Strategiespiel. Nein, warum auch. Kopf an Kopf ist ein Zockerspiel. Würfeln, wetten, weinen. Gewürfelt wird zu Anfang des Zuges, wobei die Zugweite vom  Bewegungswürfel vorgegeben wird. Welches Pferd voranprescht bestimmt der Pferdewürfel. Damit das nicht zu langweilig ist, gibt es den Sprint. Ist die von MIR gewürfelte Zahl auch auf der Sprinterleiste  eines MEINER Pferde abgedruckt, zieht mein Gaul ebenfalls vor. Ideal ist es da natürlich, Pferde mit sich ergänzender Sprinterleiste zu besitzen.

Kopf an Kopf- Sarahs LieblingspferdSo ein Pferd fällt nicht aus dem Himmel. Das muss man kaufen. Das kann man, außer beim Schlachter, auch in Phase 2. Bezahlen, Pferdekarte nehmen, fertig. Probleme gibt es dabei zwei. Zum einem: so ein Pferd kostet mehr als eine Briefmarke für Büchersendungen. Zum anderen: Ich darf pro Zug nur eine von 4 möglichen Aktionen durchführen. Ich würde aber am liebsten so ca. 3 oder mehr Aktionen machen. Am liebsten 1 Pferd kaufen, eine  oder zwei Wetten platzieren und eine oder mehrere Karte spielen. Die 4. Aktion ist eher ein Notbehelf, wir können zwei Karten für 5 € verkloppen.

Also heisst es gut zu überlegen. Ein Pferd zu kaufen ist interessant, Kopf an Kopfweil man es so durch die Sprinterleiste nach vorne bringen kann und es gibt natürlich auch eine Siegprämie. Sieg natürlich vorausgesetzt. Der reichste Spieler gewinnt, nicht der mit den schönsten Pferden und komischerweise auch nicht unbedingt der Spieler, der die meisten Bücher von Dick Francis gelesen hat. Die Siegprämie allein hilft uns aber nicht zum Sieg. Viel wichtiger sind die Wetten. Jedes Pferd hat Quoten für die ersten drei Plätze. Gewettet wird während der Aktionsphase, leider immer nur 5 Euro und leider nur auf ein Kopf an KopfPferd. Diese Beschränkung! Denn ich möchte zu gerne noch eine Karte spielen. Aber wir erinnern uns - nur eine von 4 möglichen Aktionen! Die Karten sind nicht nur deshalb klasse weil sie Namen haben wie: Taschengeld fürs Ponyhüten, Wo laufen Sie denn? und Omas Rente. Nein, Karten sind vor allen Dingen deshalb so toll weil sie uns Extraeinnahmen, Möglichkeiten zu höheren Wetten, Möglichkeiten zum Ärgen, zum Pferdevorantreiben, zum Zocken bieten. Die Karten sind echt die Würze im Spiel. Und so mancher Anfänger vergisst  wichtige Wetten zu platzieren, weil er noch unbedingt diese lustige und dann noch diese coole Karte spielen möchte.

Kopf an KopfUnd bevor man es richtig kapiert, ist es auch schon zu spät, drei Pferde sind über die Ziellinie gehüpft und das Spiel ist schon vorbei! Nun noch Wetten und Prämien kassieren und dann das sinnliche Vergnügen des Geldbergezählens. Dann stehe ich meist als Sieger fest. Ehrlich, Kopf an Kopf liegt mir. Aber das ist nicht der einzige Grund warum mir Kopf an Kopf gut gefällt. Kopf an Kopf ist knackig, spannend, lustig, mitreissend, gemein und vor allen Dingen sehr atmosphärisch. Da ist richtig Stimmung am Spieltisch.

Verschweigen darf ich aber auch eins nicht. Meckern Teil 2: zum Ende des Spiels kann es leider vokommen, das es sich zieht, 2 Gäule sind drin, der Dritte will und will aber nicht und die Luft ist schon raus. Oder die Gewinner zeichnen sich schon SEHR früh ab. Nicht jede Partie verläuft von der Spannungskurve her perfekt.

Wenn es aber so läuft wie es soll, dann ist Kopf an Kopf Spitze, wenn auch nicht ganz so klasse wie Royal Turf. Kopf an Kopf überzeugt trotz kleinerer Schwächen durch einen einfachen Spieleinstieg und viel Spaß in überschaubarer Zeit.

Wertung: 8 von 10

Kopf an Kopf, Chris Handy, Kosmos Verlag, 2 bis 8 Spieler, ab 10 Jahre, 2010



 
weitere Artikel

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren