Was ist der Unterschied zwischen Jesus und einem Holländer?
Ganz einfach: Jesus machte aus Wasser Wein, die Holländer machen aus Wasser Tomaten.
Das war aber nicht immer so. Vor langer, langer Zeit, als die Tomate in Holland noch Science Fiction war, da spielt Seeland. Damit es den Holländern aber nicht langweilig wird, bis sie die Tomate entdecken, dürfen sie in Seeland stattdessen Raps, Kohl, Tulpen und Windmühlen anbauen.
Seeland ist ein Familienspiel, das allen etwas
bietet. Angefangen mit den Kleinsten. Für die gibt es in der Schachtel ein 6-teiliges Hollandpuzzle. Ach so, das ist der Spielplan. Ja, das ist er. Und er sieht verdammt gut aus. Wir Spieler tragen während des Spiels dazu bei, ihn noch schöner zu gestalten. Wir werden ihn gleich mit Raps, Tulpen, Mühlen und Kohl schmücken. Obwohl Kohl ja nicht soooo dekorativ ist und so mancher per Kohlsuppenausgasung eine Windmühle antreiben könnte.
Seeland liegt noch völlig unberührt vor uns. Völlig? Nein, denn ein kleines gallisches holländisches Dörfchen liegt schon vor uns. In diesem Dörfchen kaufen wir ein. Keine Wohnwagen, sondern Landschaftsplättchen zwecks Aussaat und Mühlenplättchen zwecks Errichtung selbiger. Diese Plättchen werden über einen pfiffigen Rondellmechanismus erworben. Was genau vor unserer Figur liegt, das ist kostenlos. Liegt aber ein besonders reizvolles, sprich punkteträchtiges Plättchen weiter weg, können wir dies gegen Schritte auf dem Rondell erwerben. Nur, dass das nicht immer geht. Sitzen die Mitspieler die Sache hinten, am anderen Ende des Rondells aus, kann dies unsere Handlungsfreiheit stark beschränken.
Im nächsten Schritt unseres Zuges platzieren wir die gerade
erworbenen Plättchen auf dem Spielplan. Dabei müssen Landschaftsplättchen mit Kohl, Raps und Tulpen immer angrenzend an eine eigene Mühle gepflanzt werden. Ein Mühlenplättchen muss auf eine leere Fläche, die an bereits erschlossenes Gebiet grenzt, gebaut werden. Das sieht schick aus, aber es muss doch ein höheres Ziel geben.
Richtig. Und dieses wird in Punkt drei des Spielzuges klar. Nun wird geerntet. Ist eine eigene Mühle von Landschaftsplättchen völlig umgeben, gibt es Punkte. Die Plättchen zählen laut ihrem aufgedrucktem Wert. Dazu gibt es einen Bonus, falls man alle drei Sorten, also Tulpen, Raps und Kohl, angepflanzt hat. Dummerweise erhält man gar keine Punkte, falls man eine Monokultur, also nur eine Sorte, gepflanzt hat.
Bei Spielende gewinnt natürlich der Spieler mit den meisten Punkten. An diese kommt man nur wenn man nicht gerade Mühlen, Kohl, Raps, Tulpen mit den Werten eins, zwei oder gar null anpflanzt/baut. Schließlich gibt es auch Siebener-Plättchen. Hier heisst es aufpassen und seine eigene Spielfigur auf dem Rondell nicht festfahren. Denn taucht ein begehrtes Siebener-Plättchen auf, ist es auch schnell weg.
Hatte ich nicht zu Beginn gesagt Seeland böte jedem etwas? Zumindest versucht Seeland dies. Das Spiel ist in mehrere Stufen unterteilt: Von der supereinfachen Basisversion, wie oben beschrieben, über die Hinzunahme von Vögten und Rekorden, bis hin zum Taktikspiel.
Je nach Spielerfahrung kann man sich das Passende aussuchen. Unter uns gesagt: Liebe erfahrene Vielspieler - vergesst die mörderlangweilige Basisversion. Das ist was für Monopoly-Spieler. LANGWEILIG. Viele Regeln kommen durch die Vögte und Rekorde eigentlich nicht hinzu. Aber das Spielgefühl ändert sich wesentlich. Nun muss viel mehr bedacht werden. Das ist wesentlich kniffeliger und reizvoller. Der Schritt zum Taktikspiel ist nur noch marginal, bringt aber auch wieder mehr Spieltiefe.
Was sagt der holländische Psychiater zu seinem Patienten? Legen Sie sich doch bitte auf die Luftmatratze...
Die Luft war bei mir relativ schnell raus, bei Seeland. Erst war
die Motivation grenzenlos. Tolles, wunderschönes Material, interessant klingende Regel. Doch schon bald äußerte sich ein Mitspieler über Seeland in der Basisversion so: ... und in Holland platzt eine Frikandel.... Alles in Seeland ist mechanisch fein abgestimmt, es liest sich gut, in der Theorie. Ich war selber ganz erstaunt, dass mich Seeland nicht mehr anmacht. Das erweiterte Spiel und das Taktikspiel sind ganz nett. Mehr aber auch nicht. Es fehlt die Spannung, das Knistern. Was mich stört ist zum einem auch das Glückselement durch das Nachziehen von Plättchen. Dadurch kann es halt passieren, das immer, wenn ich dran bin, einfach nichts Reizvolles liegt. Egal wie vernünftig ich auf dem Rondell gewirtschaftet habe. Und bei den Mitspielern liegen dann die tollen Plättchen. Frust. Ansonsten erinnert mich Seeland vom Spielgefühl etwas an Flowerpower: Sieht toll aus, ist aber eher ruhig. Seeland hat für mich etwas zu wenig Action. Was zu tun ist, liegt zu Beginn des Zuges meist klar auf der Hand. Schwierige Entscheidungen gibt es nicht. Seeland ist nett, aber für meinen Geschmack einfach etwas zu lieb.
Was ist eine A-Klasse mit gelbem Nummernschild? - Ein fliegender Holländer...
Wertung : 6 von 10
Seeland, Günter Burkhardt, Wolfgang Kramer, Ravensburger, 2 bis 4 Spieler, 2010
| < Zurück | Weiter > |
|---|






