Ich mag Sylvester nicht. Es wird Raclette gegessen und viel getrunken. Es ist immer irgendwie langweilig, alle gucken verstohlen auf die Uhr. Und bis Mitternacht muss man ja bleiben. Und dann kommt 138 mal der Ausruf "Frohes Neues". Allein wenn ich "Frohes Neues" höre, kriege ich ja schon die Krise. Aber wie bei vielen Dingen im Leben, liegt es ja nur an einem selbst. Also mal ein anderes Szenario. Warum Sylvester nicht mal anders feiern? Alkoholfrei? Mit ein paar Spielen?
31.12.2005, Alamogordo, New Mexico, Wohnzimmer. Beziehungsweise Küche. Wir sind eine sehr gemischte Gruppe. Von 12 bis ca. 84 Jahren. Mein Nachbar Glenn mit seiner Frau Cathy, unsere Freunde Rita, Janice mit Freund Paul und Sohn Michael, Leon, Carol Ann, Ann Christin zu Besuch aus Deutschland, Jens und ich komplettieren die Runde.
Wir spielen auf Ann Christins Vorschlag hin etwas Ligretto,
einige rösten sich Stockbrote über dem Grill. Ich werde etwas ungeduldig. Schließlich möchte ich doch noch unbedingt Privacy spielen. Also versuche ich, alle ins Wohnzimmer zu locken. Ich frage Janice, ob das okay ist, wenn wir Privacy spielen, ihr Sohn Michael ist erst 12 und im Spiel kommen Sexfragen vor. Sie hat kein Problem damit. Als ich dann die Paare bitte, sich nicht nebeneinander zu setzen, schließlich steht das so in der Spielregel, kommen erste Proteste auf. Mein Gott, das ist ja wie im Kindergarten - ich will nicht neben Glenn sitzen, der ist doof! Wenn ich nicht neben Janice sitzen darf, spiel ich nicht mehr mit. Als aber klar wird, das wir Privacy spielen werden, bekomme ich sofort Unterstützung von Carol Ann. Auf ihrem Geburtstag haben wir Privacy schon mit grossem Erfolg gespielt und Carol Ann geniesst bei uns Autorität. Sie ist nicht nur unser aller Freundin, sondern auch ein bisschen unsere Mamafigur. Wenn Carol Ann also sagt, hört auf Sarah, dann tun das dann auch alle. Praktisch! Im Spiel geht es darum, die Mitspieler einzuschätzen. Es werden Aussagen vorgelesen und jeder beantwortet die Richtigkeit dieser Aussage für sich geheim. Außerdem gibt jeder einen Tipp ab, wieviele Mitspieler mit Ja antworten werden, also ebenfalls diese Aussage bestätigen. Da wir uns ja fast alle gut kennen, sollte das ja nicht so schwer sein.
einige rösten sich Stockbrote über dem Grill. Ich werde etwas ungeduldig. Schließlich möchte ich doch noch unbedingt Privacy spielen. Also versuche ich, alle ins Wohnzimmer zu locken. Ich frage Janice, ob das okay ist, wenn wir Privacy spielen, ihr Sohn Michael ist erst 12 und im Spiel kommen Sexfragen vor. Sie hat kein Problem damit. Als ich dann die Paare bitte, sich nicht nebeneinander zu setzen, schließlich steht das so in der Spielregel, kommen erste Proteste auf. Mein Gott, das ist ja wie im Kindergarten - ich will nicht neben Glenn sitzen, der ist doof! Wenn ich nicht neben Janice sitzen darf, spiel ich nicht mehr mit. Als aber klar wird, das wir Privacy spielen werden, bekomme ich sofort Unterstützung von Carol Ann. Auf ihrem Geburtstag haben wir Privacy schon mit grossem Erfolg gespielt und Carol Ann geniesst bei uns Autorität. Sie ist nicht nur unser aller Freundin, sondern auch ein bisschen unsere Mamafigur. Wenn Carol Ann also sagt, hört auf Sarah, dann tun das dann auch alle. Praktisch! Im Spiel geht es darum, die Mitspieler einzuschätzen. Es werden Aussagen vorgelesen und jeder beantwortet die Richtigkeit dieser Aussage für sich geheim. Außerdem gibt jeder einen Tipp ab, wieviele Mitspieler mit Ja antworten werden, also ebenfalls diese Aussage bestätigen. Da wir uns ja fast alle gut kennen, sollte das ja nicht so schwer sein.
Alle erhalten eine Einstellscheibe, auf der geheim die Tipps abgeben werden. Jeder erhält außerdem ein paar orangene und ein paar schwarze Holzsteine, die für ja bzw. nein stehen. Dazu gibt es einen Sichtschirm, um diese geheimzuhalten. Wieder ein Problem. Was war nochmal orange? Ja oder nein? Gut, ja steht in orange nochmal auf dem Spielplan, nein in schwarz. Aber eben auf Deutsch. Also schnell einen Zettel geschrieben. Orange - yes, black - no. Dann gibt es noch einen Kampf um die Spielerfarben. 3 wollen mit rot spielen, niemand mit grau und 2 mit pink. Ann Christin schlägt vor, Ligretto darum zu spielen. Das Erwachsene so anstrengend sein können. Aber nach 15 Minuten Kampf wer welche Farbe hat und wer neben wem sitzen darf, fangen wir dann tatsächlich nochmal an, zu spielen.Los gehts. Ich bin Spielleiter und Startspieler. Ich lese die erste
Aussage vor: Mein linker Nachbar sollte sich eine neue Frisur zulegen. Alle blicken verstohlen zu ihrem linken Nachbarn. Und es hagelt Fragen auf mich ein. Ja, ihr müsst jetzt auf Eurer Scheibe einstellen, wie viele von uns das wohl mit Ja beantworten, und nicht wieviele von uns eine neue Frisur brauchen. Gut, das ist geklärt. Hmmm, neben mir sitzt Ann Christin. Ich finde, fast alle bei uns könnten ne neue Frisur gebrauchen. Ann Christin aber nicht. Dann überlege ich weiter wer neben wem sitzt und wohl was denkt. Alle anderen gucken sich ebenfalls prüfend an. Es gibt erstes Gelächter- nun guck doch nicht so. Die Frauen werden unsicher und zupfen an ihrem Haar. Ich tippe auf 3 und stelle meine Scheibe entsprechend ein. Dann geht der Sack rum. Hier sollen nun die Ja bzw. Nein Steine hinein. Wieder Fragen. Also wer der Meinung ist, sein linker Nachbar braucht ne neue Frisur, denkt dran, das ist völlig anonym, wirft einen orangen Stein in den Sack. Wer das nicht findet, wirft einen schwarzen Stein hinein, erkläre ich.
Aussage vor: Mein linker Nachbar sollte sich eine neue Frisur zulegen. Alle blicken verstohlen zu ihrem linken Nachbarn. Und es hagelt Fragen auf mich ein. Ja, ihr müsst jetzt auf Eurer Scheibe einstellen, wie viele von uns das wohl mit Ja beantworten, und nicht wieviele von uns eine neue Frisur brauchen. Gut, das ist geklärt. Hmmm, neben mir sitzt Ann Christin. Ich finde, fast alle bei uns könnten ne neue Frisur gebrauchen. Ann Christin aber nicht. Dann überlege ich weiter wer neben wem sitzt und wohl was denkt. Alle anderen gucken sich ebenfalls prüfend an. Es gibt erstes Gelächter- nun guck doch nicht so. Die Frauen werden unsicher und zupfen an ihrem Haar. Ich tippe auf 3 und stelle meine Scheibe entsprechend ein. Dann geht der Sack rum. Hier sollen nun die Ja bzw. Nein Steine hinein. Wieder Fragen. Also wer der Meinung ist, sein linker Nachbar braucht ne neue Frisur, denkt dran, das ist völlig anonym, wirft einen orangen Stein in den Sack. Wer das nicht findet, wirft einen schwarzen Stein hinein, erkläre ich.
Es wird ganz still. Der grosse Moment naht und ich kippe den Sack auf dem Spielbrett aus. Nur ein Ja! Ich bin extrem erstaunt, wenn ich mir so die Frisuren ansehe. Oder war nur einer ehrlich? Die Frauen sehen jedenfalls alle sehr erleichtert aus. Haben sich dann aber fast alle, genau wie ich, verschätzt. Die Scheiben werden nämlich jetzt umgdreht. Und die meisten haben auf 3 oder 4 mal Ja getippt. Leon hat 1 Ja getippt. Damit liegt er genau richtig und bekommt 3 Punkte. Jens liegt mit dem Tipp 2 um einen daneben und bekommt noch einen Punkt. Wir anderen gucken alle in die Röhre.Normalerweise liest jetzt jemand anderes die nächste Frage vor. Und auch welche das sein wird, wird eigentlich vom Spiel bestimmt. Aber, da die Frage ja immer ins Englische übersetzt werden muss, übernehme ich den Vorleserjob weiterhin. Ausserdem sortiere ich die Aussagen etwas vor. Denn ob jemand in der Familie schon Selbstmord begangen hat oder ob jemand in psychotherapeutischer Behandlung war, wissen gute Freunde voneinander und ansonsten sind dies Fragen, die meiner Meinung nach in einem lustigen Partyspiel nichts zu suchen haben. Also die nächste Aussage: Ich habe schon mal in einem Sexshop eingekauft. Da kommt dann gleich eine Gegenfrage von unserem ältesten Mitspieler Leon: gilt Internetbestellung auch? Gekicher. Das Ergebnis fällt mit 2 niedrig aus und diesmal haben wir uns alle gegenseitig besser eingeschätzt. Für sehr viel Gelächter sorgt dann die nächste Aussage: Ich habe jetzt gerade Blähungen. Als dann 3 Ja aus dem Sack purzeln, gibt es entsetzte Gesichter und einige rücken etwas von ihren Nachbarn weg.
Wir haben viel Spaß und das Ziel, das Gewinnen, rückt deutlich in den Hintergrund. Einige Aussagen sind sehr leicht einzuschätzen. Wie zum Beispiel: Ich besitze mehr als 10 Paar Schuhe. Einfach gucken wieviele Frauen mitmachen und Jens dazuzählen, wegen seiner 7 Paar Bundeswehrschuhe - und ja, es passt. Ich liege richtig und bekomme 3 Punkte. Aber es läuft nicht immer so einfach. Bei der Aussage - Ich bin schon mal in einer Beziehung fremdgegangen, kamen 6!!!! Ja. Da war ich dann wirklich geschockt. Als - Ich habe schon mal einen Wildfremden am Telefon verarscht kommt, bringt Carol Ann mich erstmal in eine peinliche Situation. Sie erzählt allen reich ausgeschmückt, wie Weldon bei mir angerufen hat und ich ihn voll zur Schnecke gemacht und aufgelegt habe. Sharla, seine Frau rief dann 5 Minuten später noch mal an, um das zu klären. Weldon traute sich nicht mehr. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich hatte an dem Tag bereits 17 Telefonwerbeanrufe bekommen und war total genervt. Weldon hatte seinen Namen nicht gesagt und musste meine angestaute Wut ertragen. Soviel zur Völkerverständigung. Alle lachen, mir ist die Geschichte etwas peinlich, aber Weldon und ich sind wenigstens noch Freunde.
Leon ist sehr gut darin, die anderen einzuschätzen, sorgt aber auch immer wieder für Erheiterung. Bei - Ich pinkle manchmal unter der Dusche kommt von ihm natürlich prompt die Gegenfrage, ob Badewanne auch gilt. Dann sagt er für alle hörbar, das ihm die orangen Klötzchen ausgehen. Sich für 10.000 Euro nackt in einer Zeitung abbilden zu lassen, stösst auf reges Interesse. Von wegen die Amerikaner seien prüde. Glenn, aber natürlich auch Leon sind geradezu begeistert von der Idee und diskutieren das erstmal aus. Rita kippt vor Lachen fast vom Stuhl. Wir haben das Gefühl, Glenn und Leon würden das auch glatt umsonst machen. Das Problem wäre höchstens eine Zeitung zu finden, die sich dazu bereiterklärt....
Nach der Auflösung des Ja/Nein Verhältnisses kommt es immer wieder zu Diskussionen und längeren Gesprächen. Also schon ein sehr kommunikatives Spiel. Ich hätte gedacht das, weil, und ich hätte gedacht Cathy hätte und ähnlich werden hier Gedanken ausdiskutiert. Nachdem - Ich bin intelligenter als mein rechter Nachbar für viel Wirbel sorgt und wir erfahren das 7 Leute aus unserer Runde schon mal mit Pflanzen geredet haben, finden wir noch heraus, das 2 Männer schon mal absichtlich neben eine Toilette gepinkelt haben. Eigentlich ist ja alles geheim, aber nach meinem entsetzen Gesicht in Richtung Gästetoilette, outen sich die 2 und erzählen erstmal die Story dazu und versichern mir, das nicht bei mir zu tun.Am Ende gewinnt dann Janice, sie hatte also das Beste Gespür für unsere heimlichen Schwächen. Die Stimmung ist super.
Privacy ist eigentlich eher eine Art Spiel die ich nicht so mag,
aber in der richtigen Runde, kann es sehr lustig sein. Statt eines langweiligen Abends kann man viel Spaß haben. Das schöne an Privacy ist, das es auch richtig viel Spaß mit Leuten macht, die sich nicht kennen und dann durch das Spiel lockerer ins Gespräch kommen. Ich habe Privacy mit vielen unterschiedlichen Leuten gespielt, 1 Person war dabei, der es nicht so zusagte, alle anderen waren begeistert. Es gibt keine amerikanische Ausgabe. Ich bin immer wieder danach gefragt worden. Aber die Begeisterung zu diesem Spiel war so groß, das in einer Runde jemand die Fragen mitschrieb, um es sich selber nachzubauen. Bei unseren Feiern in New Mexico war Privacy immer ein gern gesehener Gast. Und wenn mir jetzt Leute schreiben, das sie uns vermissen, weiss ich nie so genau, ob sich nicht einfach nicht nur in Wirklichkeit mal wieder Privacy spielen möchten....
aber in der richtigen Runde, kann es sehr lustig sein. Statt eines langweiligen Abends kann man viel Spaß haben. Das schöne an Privacy ist, das es auch richtig viel Spaß mit Leuten macht, die sich nicht kennen und dann durch das Spiel lockerer ins Gespräch kommen. Ich habe Privacy mit vielen unterschiedlichen Leuten gespielt, 1 Person war dabei, der es nicht so zusagte, alle anderen waren begeistert. Es gibt keine amerikanische Ausgabe. Ich bin immer wieder danach gefragt worden. Aber die Begeisterung zu diesem Spiel war so groß, das in einer Runde jemand die Fragen mitschrieb, um es sich selber nachzubauen. Bei unseren Feiern in New Mexico war Privacy immer ein gern gesehener Gast. Und wenn mir jetzt Leute schreiben, das sie uns vermissen, weiss ich nie so genau, ob sich nicht einfach nicht nur in Wirklichkeit mal wieder Privacy spielen möchten....Wertung : 8 von 10
Privacy, Reinhard Staupe, Amigo, 5 - 12 Spieler
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Kommentare
Vielen Dank an Reinhard Staupe für die Info!