Grün, grün, grün sind alle meine Kleider,
Grün, grün, grün ist alles, was ich hab.
Darum lieb ich alles was so grün ist,
Weil mein Schatz ein Jäger, Jäger ist.
Naja, nicht wirklich wenn ich da mal so in meinen Kleiderschrank schaue. Aber immerhin ist mein Mädchenname Jaeger,
was früher zu meinen Vegetarierzeiten immer wieder für extrem witzige Witze gesorgt hat. Was also nun diese Einleitung soll? Sie soll zum Ausdruck bringen, das Keltis auch gut ins Programm von 2F Spiele gepasst hätte. Soooo viel grün! Polizisten würden Keltis kaufen. Aber schließlich suggeriert der Titel Keltis und dann das viele Grün uns Spielern, es gäbe sowas wie ein Spielthema. So was Irland mässiges. Es kommen zwar Kleeblätter drin vor, aber das war es dann auch mit Thema. Keltis ist abstrakt. Und wie gesagt grün.
Schon Keltis Vorgänger Lost Cities war ja abstrakt. Aber um eines vorweg zu nehmen, hier war das Thema passender umgesetzt. Gut, Lost Cities ist viel zu spannend, um sich die Karten genauer anzusehen, falls es aber doch mal geschah, musste man zugeben, das diese sehr stimmungsvoll sind.
Lost Cities ist ein reines 2 Personenspiel. Keltis ist im Grunde genommen Lost Cities für 2 bis 4 Spieler. Es ist zwar nicht gleich, vom Spielgefühl aber dann doch sehr ähnlich.
Wir Spieler starten mit einer handvoll Karten. Jeder hat 5 hölzerne Kleeblätter. Diese werden nun den Weg der Steine gehen. Nein, den Käse habe ich mir nicht ausgedacht. Der ist so von der Schachtel abgeschrieben. Die Spieleverlage haben nämlich ihre Mitarbeiter aus der Marketingabteilung geschlossen zu einer Weiterbildung geschickt. Muß irgendsoein Esoterikseminar gewesen sein, denn plötzlich ist auf den Spieleschachtel häufiger von Wegen und Zielen und chinesischen Sprichwörtern zu lesen. Das soll uns nicht weiter stören. Wir schicken also nun per Handkarten unsere Kleeblätterspielsteine auf die steinigen Wege. Die ersten 3 Felder auf den Wegen bringen noch Minuspunkte, später dann aber bis zu 10 Pluspunkte. Ein dickes Kleeblatt haben wir, hier gibt es den doppelten Wert bei Spielende. Auf manchen Wegesteinen liegen Plättchen. Einige zeigen grüne Steine (gab es die nicht mal bei Kafferöstern, Versandhäusern? und leuchten die nicht Nachts? und sind die nicht extrem schick? Hilfe!). Aber auch wenn wir im richtigen Leben uns niemals freiwillig sowas ins Haus holen wollen, im Spiel dürfen wir es zugeben. Wir sind unheimlich scharf auf diese Teile. Denn wer bei Spielende keine hat, kassiert Minuspunkte. Wer aber 5 und mehr von diesen grünen Steinen hat, kassiert 10 Pluspunkte. Aber auf unserem steinigen Pfaden abseits aller Zivilisation, den wir in tiefer Meditation beschreiten, treffen unsere Jesuslatschen noch auf anderes. Da hätten wir Plättchen mit 1 bis 3 Siegpunkten. Die nehmen wir immer gerne mit auf unseren Jutepilgerweg. Darf's ein bißchen mehr sein? Dann hätten wir da noch goldene Kleeblattplättchen. Die sind auch sehr nett. Wir dürfen diese nutzen, um einen weiteren Spielsteine zu bewegen. Schön.
Bewegen. Nun müssen wir uns ja erstmal auf die Socken machen, um diese Plättchen überhaupt zu erreichen. Die Pfade gibt es in 5 Farben. Hellgrün, mittelgrün
, lindgrün, und quietschgrün. Quatsch, diese Farben sind schon deutlich unterscheidbar pink, gelb, blau usw. Unsere Karten zeigen neben diesen Farben noch eine Zahl von 0 bis 10. Nun spielen wir pro Zug eine Karte aus und ziehen eine nach. Eine Karte können wir einfach auf den farblich sortierten Ablagehaufen werfen oder vor uns sammeln. Eine Sammlung muss entweder aufsteigend oder absteigend angelegt werden. Hierbei dürfen aber Lücken in der Reihenfolge bleiben. Also bspw. 2, 4, 4, 6, 7 usw. Jede Zahl einer Farbe gibt es 2 mal. Spielen wir eine blaue Karte, bewegen wir unser Kleeblatt auf dem blauen Weg einen Schritt vorwärts. Und nicht 9 Felder falls 9 draufsteht!! Das wäre zu einfach. Falls 5 Kleeblätter das Wegesende erreicht haben oder der Kartenstapel zu Ende ist, ist Feierabend. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. Wirklich!
Keltis ist von den Regeln her wirklich einfach. Aber doch nicht banal, wie es manchem Spieler auf dem ersten Blick erscheinen mag. Nicht weil es sich kompliziert spielt, sondern weil es einen ständig vor eine innere Zerreissprobe stellt. Die Frage ob ich diese Karte jetzt oder erst später spiele, kann einem schon mal fast körperliche Schmerzen bereiten. Was wenn ich jetzt die 5 (aufwärts nach 3 und 4) spiele und dann noch eine 4 ziehe? Wenn ich dann jedesmal vor Ärger in den Tisch beissen würde, würde mein Zahnarzt sich bald einen neuen Porsche kaufen können, aber mein Tisch würde dann irgendwie merkwürdig aussehen. Und das in der Kneipe zu tun, in der ich spiele, wäre auch sehr unappetitlich. Hmmm. Aber es ist nun mal so. Das gleiche Spielgefühl wie bei Lost Cities. Eine totale innerliche Anspannung. Eine Partie die gut läuft und in der man immer die richtigen Karten nachzieht, zaubert zwar ein entrücktes Grinsen auf unser Gesicht, ist aber realitätsfern. Meist haben wir eher Käse auf
der Hand und mögen ihn noch nicht mal ablegen weil dieser den Mitspielern ins Konzept passt und wir ja heute keinen Jesus - liebt - uns - Abend sondern einen Spieleabend haben. Und da wollen wir gewinnen. Aber mit DIESEN Karten? Keltis hat einen so einfachen Spielablauf: Karte spielen, Kleeblatt evtl. Bewegen, Karte nachziehen. Und doch schaffen Grübler es auch mal 5 Minuten für ihren Zug zu brauchen. Die trete ich dann aber auch mal unter dem Tisch und zeige dann mit Unschuldmiene auf meinen Sitznachbarn. Ein bisschen Taktik, einfache Regeln und sehr viel Glück. Dafür bekommen wir: viel, viel Spannung, evtl. schlechte Zähne und schweissnasse Hände. Und oft eine Revanche. Lost Cities spielt sich etwas flotter als Keltis. Keltis schafft es nicht Lost Cities von seinem von mir persönlich errichteten Thron zu schmeissen, ist aber auch ziemlich gut. Lost Cities ist noch eleganter und spielt sich noch flüssiger.
Aber eines sollte klar sein: wer noch nie verstanden hat, was um alles in der Welt an Lost Cities gut sein soll, der braucht sich Keltis gar nicht erst ansehen. Ansonsten: Es grünt so grün ...... wenn wir den Weg der Steine gehn.
Wertung: 8 von 10
Keltis, Reiner Knizia, Kosmos, 2 - 4 Spieler, 2008
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