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Hansa Teutonica

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(7 - user rating)

Hansa TeutonicaHansa Teutonica macht mich glücklich. Endlich habe ich das, wovon ich schon lange träume. Einen eigenen Schreibtisch. Zur Zeit habe ich ca. 68 cm Tischplatte, die zum Schreibtisch von Jens gehören. Darauf sind das Laptop, Bücher, Locher, ein Getränk meiner Wahl und 1 bis 2 Katzen ihrer Wahl verteilt.

Mein eigener hanseatischer Schreibtisch aus Hansa Teutonica - Der SchreibtischHansa Teutonica sieht zwar edel nach Massivholz statt  nach Funier aus, ansonsten aber genauso schlimm wie meine jetzige Schreibtischecke. Chaos! Alles voll! Ein Teller, Schlüssel, ein offenes Buch, Siegel und ganz genau wie auf meinem Schreibtisch - Säcke voller Geld. Alle Spieler haben zu Spielbeginn die gleiche Schreibtischgrundbestückung.

Nun ist aber Hansa Teutonica nicht das von Ikea gesponserte Spiel zum Schreibtisch oder so. Nein. In Hansa Teutonica geht es wie so fast immer um Siegpunkte und wie man daran möglichst zahlreich gelangt.

Gerade mal 2 Aktionen haben wir Hanseaten zu Beginn des Spiels pro Zug zur Verfügung. 5 verschiedene Aktionen stehen zur Auswahl und zeigen uns, das unsere 2 Aktionen uns nicht besonders weit bringen. Unser Schreibtisch ist nämlich nicht nur unser schnukeliges Heim, er ist in erster Linie Verwaltungszentrum und zeigt an, was wir machen können. Wenig, am Anfang. Zu Anfang ist auf jeder Leiste alles verdeckt, bis auf das kleinste Feld. Aber wie gut, das wir uns weiterentwickeln können. So können wir beispielsweise unsere Aktionen auf bis zu Fünf pro Runde erhöhen. Damit lässt sich was anfangen.

Und zwar können wir zum Beispiel Einnahmen kassieren. Wir haben nämlich mit einer weiteren Beschränkung unseres Handelsspielraumes zu kämpfen. Unsere Holzklötzchen, im Spiel Händler genannt, die wir für viele Aktionen brauchen, sind auch beschränkt. (ha ha) Nur ein paar sind in unserem Vorrat, der Rest liegt sozusagen abgeschlossen in der Kasse. Und sich aus der Kasse zu bedienen kostet eine Aktion. Der Schreibtisch schreibt uns vor wie viele Händlerklötzchen wir denn nun aus der Kasse nehmen dürfen. Nur drei. Zu Anfang. Zu wenig. Aber auch hier heisst es Weiterentwicklung auf unserem Schreibtisch.

Weiter geht es. Als weitere Aktionsmöglichkeit können wir nun einen dieser Händler einsetzen. Auf dem Spielplan sind Städte mit Niederlassungen und Handelsrouten mit Verbindungspunkten. Und unseren Händler dürfen wir auf einen Verbindungspunkt setzen. Ist dieser frei- super, kein Problem. Ist da schon ein gegnerischer Händler müssen wir extra zahlen und der verdrängte Händler wird zusammen mit einem Händler aus der Kasse auf angrenzende Routen platziert. Verdrängen ist teuer, verdrängt werden wundervoll, bringt es doch Händler direkt aus der Kasse auf den Spielplan. Also setzt man sich schon mal gerne einfach irgendwo hin und wartet auf Verdrängung. Lohnt sich.

Vier. Wie der werte Leser zurecht bemerkt wird diese Rezi wohl ein wenig lang. Und da gebe ich dem werten Leser recht. Und trotzdem ist der werten Rezensentin schon jetzt klar, das sie nicht alle Facetten des Spiels abdecken kann. Wer der werten Rezensentin dafür einen Tritt in den AllerWertesten geben möchte, dem sei gesagt: bringt nichts. Das liegt nämlich am Spiel und nicht an der Rezensentin. Das Spiel ist nämlich sehr vielschichtig. Das hat  übrigens selbst die werte Rezensentin erkannt. So immer noch vier. Eigene Händlersteine können in Teutonica, das übrigens nicht von Teutoburger Wald kommt, umgesetzt werden. 2 an der Zahl, wobei auch diese Zahl wieder verbessert werden kann.

Hansa TeutonicaFünf. Eine Handelsroute einrichten. Haben wir eine Handelsroute komplett besetzt, können wir absahnen, was uns allerdings wieder eine Aktion kostet und uns außerdem wieder mal vor schwer wiegende Entscheidungen stellt. Ach, dieses Spiel, diese Entscheidungen. Aber wir Vielspieler sind ja so drauf. Wir stehen  auf diese Zwänge. Also nicht maulen, ihr habt es so gewollt, selber schuld. Wir können eine Niederlassung einrichten. Dafür gibt es in einigen wenigen Fällen sofort einen Siegpunkt. Sonst immer dann wenn diese Route wieder errichtet wird. ODER. Wir lassen das und können in einigen Städten dafür andere Sachen anstellen. Zum Beispiel an den Schreibtisch  zurückkehren - da können wir uns dann nämlich nun weiterentwickeln, also 3 statt bisher 2 Aktionen, mehr Geld aus der Kasse nehmen und so weiter. Praktisch. Wobei natürlich die Mitspieler ähnliche Ideen haben und dort ebenfalls Routen errichten werden. Außer sie haben den IQ der köstlichen Printen die ich nebenbei futter. Dann solltet Ihr Euch aber andere Mitspieler suchen. ...Also daher kann es auch sehr sinnvoll sein erstmal eine Niederlassung zu gründen, um dann bei Errichtung der Handelsrouten durch die Mitspieler Punkte zu kassieren. Natürlich kann ich mich dann nicht gleichzeitig weiterentwickeln, also erst später, also doof. Schwierig, schwierig.

Während des Spiels kleckern sich die Siepunkte ganz langsam
zusammen. Wie gesagt, ich denke ihr habt heute noch was vor, daher lasse ich mal einiges an Details weg. Jedenfalls kann durch 3 verschiedene Ereignisse das Spielende eintreten. Zum Beispiel wenn mir die Printen ausgehen.... ja, gut, wieder ernst. Nun, am Spielende werden noch ordentlich Punkte kassiert, sofern ihr gut gespielt habt. Wer bestimmte Bereiche auf seinem Schreibtisch voll entwickelt hat, bekommt Punkte. Wer die bisher totgeschwiegenen Bonusmarker gesammelt hat, bekommt Punkte. Die ebenfalls verschwiegenen Sonderprestigepunktfelder (welch Wort, steht aber wirklich so in der Regel) in Coellen bringen nun Punkte. Die meisten Niederlassungen in einer Stadt bringen Punkte. Und das größte Netz der eigenen Niederlassungen bringen Punkte. Fertig!

Fertig. Jedenfalls mit den ganz groben Regeln, den Printen und den Nerven. Denn Hansa Teutonica in Worte zu fassen ist  schwierig. Das Spiel lässt einem so viel Freiheiten, so viel Möglichkeiten. Ich kann dem werten Leser jedenfalls garantieren, das er sich nicht gespielt vorkommen wird. Der eigene Einfluss wird nicht nur vorgegaukelt, wie es ja leider so manchmal in komplexen Werken der Fall ist, er existiert tatsächlich. Nach der ersten Partie fand ich Hansa Teutonica ätzend. Aber richtig. Hansa Teutonica muss erarbeitet werden, die Mechanik leitet einen nicht automatisch durchs Spiel. Wenn man aber erste taktische Kniffe raus hat, dann packt es einen. Dann fängt Hansa Teutonica an Spaß zu machen. Es will entdeckt werden.  Bei jeder Partie hier ein Kniff, da eine Idee. Und daher werde ich mich auch nicht hochtaktischen Ergüssen ergehen, findet es doch selber raus. Die Freiheiten,  die einen Anfangs irritiert haben, werden anfangen Freude zu bereiten, genossen zu werden und ein hoher Wiederspielreiz stellt sich ein.

Hansa TeutonicaAllerdings, dies ist eine Kritik und auch an selbiger werde ich es also nicht mangeln lassen. Erstens - der Spielplan. Das er keine Schönheit ist, sei ihm ja noch verziehen. Aber es gibt viele Ü-30 Spieler und diese haben dann doch Probleme mit der Übersichtlichkeit. "Welchen Bereich kann ich dahinten weiterentwickeln? Wie Schlüssel? Das ist ein Schlüssel? Mist, ich wollte doch eigentlich..., jetzt habe ich meine Händelersteine die letzten Runden falsch positioniert.." (obwohl in unseren Spielerunden keiner positioniert sagen würde, wenn ich es mir so überlege)....tja, versehentlich falsch interpretierte Symbole sind ärgerlich und können den Spielspaß trüben.

Rummeckern Teil Zwei: Die mitgelieferte 2- Personen - Regel mag ich nicht. Erinnert an den Mechanismus von Portobello Market , das ich nicht mag und bringt mir persönlich auch nichts Wirkliches. Wenn zu Zweit, dann doch einfach nach normalen Regeln. Das gefällt mir PERSÖNLICH besser. Kann man ja selber entscheiden. Was mir zu Zweit außerdem nicht gefällt ist das Rumgekrebse in den Spielplanecken. Dies kommt auch mit 4 Spielern vor, dann aber nicht  ganz so ausgeprägt. Von daher gefällt mir Hansa Teutonica mit mehr geschulten! Fachspielern besser. Dies ist ein weiterer Kritikpunkt: Hansa Teutonica macht mit gleich erfahrenen Spielern mehr Spaß. Der Argentum Verlag kommt übrigens aus Köln und nicht aus Göttingen. Köln ist im Spiel wichtig, Göttingen aber die Hauptstadt des Spieleuniversums, kann doch hier die Anzahl der Aktionen gesteigert werden. Daher stürzen sich zu Anfang immer alle auf Göttingen, was vorhersehbar und daher nicht ganz so schön ist.

Um diese Rezi nicht mit etwas Negativem zu beenden, also schnell noch was Positives: Die Schachtelgröße ist ordentlich gewählt. Gut, das allein macht ein Spiel nicht gut, rundet aber den insgesamt positiven Gesamteindruck ab.

Wertung Sarah: 8 von 10
Wertung  Jens: 8 von 10

Hansa Teutonica, Andreas Steding, Argentum Verlag, 2 bis 5 Spieler, 2009

P.S.: In Göttingen lebt der Autor, das erklärt alles!

P.P.S.: Was mir übrigens noch sehr gut gefällt sind die Hintergrundinfos zur Hanse. Anders als in der Schule gelernt, wo es doch eine relativ kurze Liste der Hansestädte zum auswendig lernen gab. Ich mag es, wenn ich durch die Spielregel noch interessante Zusatzinfos bekomme.
 
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Kommentare 

 
0 #2 Danke...Sarah 2010-04-19 10:12
Mario, so was höre ich natürlich liebend gerne!
MEHR DAVON!!!!!!!!
 
 
0 #1 RE: Hansa TeutonicaMario Lampe 2010-04-16 22:13
Super geschriebene Rezi! Ich bin viel auf Spielerezension sseiten unterwegs und immer tut es mir leid für den Rezensenten(tin ), dass ich nur die Benotung oder bestenfalls das Fazit lese. Hier war es anders! Irgendwie hat mich das Fazit so neugierig gemacht, dass ich mir dann auch den Rest (mit viel Spass) durchgelesen habe.
 

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