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Gizeh

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GizehDas mit den Nachbarn ist ja so eine Sache. Man kann sie sich kaum aussuchen. Und die meisten Nachbarn sind schlicht bekloppt. In den USA zum Beispiel war vor einigen Jahren mal "Mother Goose" der letzte Schrei. Mother Goose ist was ganz tolles. Das ist eine Plastikgans die man sich in den Vorgarten stellt. Aber es kommt noch besser. Diese Plastikgans hat 12 Kleider im Lieferumfang, so das man sie der Jahreszeit entsprechend einkleiden kann. Zu Ostern Hasenohren, zu Weihnachten ein Weihnachtsmannkostüm usw. Es ist doch überall das gleiche. Irgendeine Hausfrau stellt sich so ein Prachtstück in den Vorgarten. Schon müssen die Nachbarn auch sowas haben. Am besten natürlich mit irgendwelchen limited edition Zusätzen, damit man selber toller ist. Wir müssen dann unter dieser Geschmacksverirrung leiden. Zu Weihnachten überlege ich jedes Jahr ob ich mir ein Luftgewehr wünschen soll. Schließlich gibt es doch an jedem zweiten Haus diese so sehr entzückenden und edel aussehenden Kletterweihnachtsmänner. Bäng! Dieses Nachbarschaftsproblem ist aber nicht neu. Das gab es schon im alten Ägypten.

In Gizeh von Nikki Lim geht es ganz ähnlich zu. Da kam doch Gizehirgendein ägyptischer Pharao auf die Idee eine Pyramide wäre doch irgendwie schick. Einfach im heißen Wüstensand verbuddelt zu werden, ist doch sehr unspektakulär. Da halten ja noch nicht mal Blumen auf dem Grab. Was würden da die Nachbarn sagen? Also Imhopet - 24 - Stunden Pyramidenbauservice unter 0180-564569 angerufen und ne schicke Pyramide bestellt. Aber kaum hat man von seinen Plänen beim letzen Kaffekränzchen erzählt, da fangen die Nachbarn doch glatt auch an eine Pyramide zu bauen. Typisch! Wir Spieler haben also jeder einen Pyramidenbauplatz in günstiger Lage vor uns liegen. Da wir schon mal dabei sind bauen wir gleich an 3 Pyramiden, denn Onkel Heinz sieht ja auch nicht mehr so fit aus und das Dreierpack war so günstig. Mother Goose war im Paket nicht enthalten, dafür war dann der Nachbar der tollste, der sich eine Sphinx vors Grab baute.
In einem weissen Beutel, vielleicht später auch mal schick als Eingeweidebeutel oder so, liegen jede Menge Bauteile. Vier davon hat jeder der 2 bis 6 Nachbarn verdeckt auf der Hand. Das Spiel beginnt.

GizehSo, wir beobachten mal eine Zweiperonenpartie. Eheliche Eintracht und Frieden bei mir zu Hause. Ich fange an. Ich darf nun eines meiner Plättchen auf meine Bauplätze oder auf Jens Bauplätze packen. Mmmh, ich habe da ein 5er Plättchen. Eine Pyramide setzt sich aus den Plättchen von 1 bis 5 zusammen. Die Zahlen werden absteigend plaziert, wobei sie nicht durchgehend sein müssen. Ich habe also ein 5er Plättchen auf der Hand. Super, das lege ich auf einen meiner Bauplätze. Ein Plättchen nachziehen, fertig. Jens hat nur unbrauchbare Teile auf der Hand. Und das gleich zu Spielbeginn. Er tauscht alle Plättchen gegen neue aus dem Beutel aus, darf dafür aber nichts legen. Ich lege nun einen 5er Schatz auf mein 5er Plättchen. Zu jedem Plättchen gibt es einen passenden Schatz, der nur auf ein passendes Zahlenplättchen plaziert werden darf. Klasse, für mich läuft's. Jens, der übrigens früher mal mein Nachbar war, gönnt mir nichts. Er spielt ein Sabotageplättchen. Das sprengt mal eben so eines meiner obersten Plättchen weg. Mein schöner Schatz! Dafür lege ich ihm dann eine minus 5 auf einen seiner Bauplätze. Das ist etwas wirklich schönes an dem Spiel. Alle Bauteile gibt es als positive und als negative Werte. Und frei nach Aschenputtel kommen die guten auf den eigenen Bauplatz und die schlechten zum Nachbarn. Jedenfalls in der Theorie. Jens spielt einfach noch ein Sabotageplättchen und kawumm die minus 5 ist wieder weg.

Und so geht es hin und her. Man baut sich was schönes, Gizehder eifersüchtige Nachbar macht's kaputt, die Schätze werden weggesprengt oder Bauplätze durch einen Skarabäus blockiert. So einen Käfer kann man einfach wieder entfernen, das kostet uns aber einen ganzen Zug. Unsere Pyramiden wachsen, wenn auch nicht so prächtig wie erhofft. An eine dekorative Sphinx mögen wir gar nicht mehr denken und halten statt dessen bei QVC schon mal nach ner Mother Goose Ausschau. Vielleicht gibt es ja eine mit Kleopatrakostüm?  Eine Sphinx besteht aus 3 Teilen. Das erste Bauteil bringt Minuspunkte ein, man sollte also sehen, das man noch was draufbaut. Das ist aber nicht so einfach, da es den wertvollen Körper nur zweimal im Spiel und den extrem wertvollen Kopf sogar nur einmal im Spiel gibt. Und ich garantiere das der Nachbar bestimmt noch ein Sabotageplättchen hat, wenn man seine Sphinx baut! Das ist ja so fies! Ja, davon lebt das Spiel. Dem anderen die Butter nicht aufs Brot gönnen, ärgern wo man kann. So spielen wir weiter. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen sie noch heute. Okay, das Spiel macht Spaß, aber alles hat seine Grenzen. Sind auf allen Pyramiden eines Spielers 1er Plättchen, endet das Spiel. Und nun wird gezählt. Wer hat insgesamt die meisten Pluspunkte gemacht? Tja, der ist dann der Held unter den Nachbarpharaonen. Glückwunsch!

GizehAber Revanche! Eine Niederlage man man nicht auf sich sitzen lassen. Eine Partie dauert ca. 10 Minuten. 10 sehr kurzweilige Minuten. Mir macht Gizeh irre viel Spaß. Soviel Spaß, das ich während der Spielzeit noch nicht einmal mehr den scheußlichen Kletterweihnachtsmann von gegenüber wahr nehme. Gizeh ist nichts für Hardcorestrategen, Planer und Denker. Gizeh ist ein richtig toller Absacker, ein spaßiges Ärgerspiel und als solches sehr zu empfehlen. Zu Fünft und zu Sechst habe ich es allerdings noch nicht gespielt. Der Glücksfaktor ist enorm. Trotzdem sollte man sich nicht täuschen lassen. Mit der Zeit findet man doch so seine Taktiken. Da sollen die Nachbarn doch mal dumm gucken!

Ich überlege übrigens eine Art Gegentrend zu starten. Ich habe im Keller noch Pink Flamingos aus Plastik. Die waren ein Scherzgeschenk, als Erinnerung an die USA. Wenn ich die jetzt ins Blumenbeet stecke, wie lange wird es dauern bis halb Schleckheim welche hat?
Wertung: 8 von 10 (das Spiel jetzt, nicht die Flamingos)

Gizeh, Nikki Lim, Pegasus Spiele, 2 - 6 Spieler, 2006

 
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