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Combit PDF Drucken
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Geschrieben von Sarah Kestering   
combit1Da heisst es doch, Hunde und ihre Besitzer werden sich mit den Jahren immer ähnlicher. Ähnliches soll auch für Eheleute gelten. Gut, Ähnlichkeiten mit meinen Katzen kann ich noch nicht feststellen. Ich jage Nachts keine Mäuse, mag kein Katzenfutter und benutze lieber die Dusche, als mich selber abzulecken. Das mit den Ähnlichkeiten mit den Eheleuten kommt da schon eher hin. Schrittweise, schleichend, aber es passiert. Meinem Mann fällt da natürlich zuerst sowas schmeichelhaftes ein wie: Du schnarchst jetzt auch! Aber - er schnarcht lauter, ha! Dafür war er Anfangs entsetzt, ja starr vor Entgeisterung, wenn ich auf Flohmarktbeutezüge ging. Und noch schlimmer- Sachen vom Speermüll mitnahm. Sich ständig umguckend schlich er hinter mir her und hoffte: hoffentlich sieht mich keiner! Mittlerweile kauft er selber ab und an auf dem Flohmarkt. Und die Tage hat er selber zum ersten mal in seinem Leben was vom Speermüll mitgenommen. Und beim Spielen?
Ja, auch beim Spielen werden wir uns ähnlicher. Jens spielt mit mehr Begeisterung als früher und es muss auch nicht immer Risiko sein. Wir sind uns meistens wenigstens so in grober Richtung über die Qualität eines Spieles einig. Aber noch sind wir der goldenen Hochzeit fern, wie heute eine Partie Combit zeigte. Um es vorweg zu nehmen, ich finde Combit gut, Jens findet Combit grauenhaft, grottig schlecht. Eines der schlechtesten Spiele, das er je gespielt hat. Ach, der hat doch keine Ahnung!  Ich finde, wir entscheiden das bei einer Partie Combit, der Gewinner hat Recht!
 
Also, Karten auf den Tisch. Jens sortiert die Geldkarten nach Werten.comb Ich mische die Zahlenkarten. Diese lege ich dann in 5 Spalten zu 7 Karten überlappend auf den Tisch. Jens gibt jedem von uns 20 Geld, in nicht näher bestimmter Währung. Wobei der aktuelle Wechselkurs in diesem Spiel 1 Geld = 1 Siegpunkt lautet. Ich händige uns beiden je einen Zahlenkartenjoker mit dem Wert 2 aus. Also zahlenmässig nix Joker, das jokerhafte an dieser Karte ist die Farbe, die wir frei bestimmen können. Wie im richtigen Leben ist das Spielziel möglichst zufrieden und glücklich zu sein. Ach, Quatsch, ist doch kein Esoterikspiel mit Räucherstäbchen, Engelbildchen und Wurfrunen. Willkommen zurück in der Realität - reich wollen wir sein! Billig in Afrika, oder wo auch immer die armen Kinder herkommen, einkaufen und teuer bei uns den Esoteriktanten in den reichen Ländern andrehen. So läuft der Hase nämlich. Ha! Was denn sonst? Naja, ein Thema hat dieses abstrakte Kartenspiel eigentlich nicht, aber wozu haben wir Fantasie? Also ich bleibe bei den Esoteriktanten. Wussten Sie, das es Gläser gibt, wo Engel eingeritzt sind und wenn man dann Wasser daraus trinkt, wird man geheilt? Nee? Na, dann ab zu dem gut sortierten, authorisierten Elfenpostkartendealer um die Ecke! Und wer 2 kauft, bekommt ein tibetanisches Klangbecken gratis dazu. Wir spielen solange weiter Combit.
 
Also Combit, war ja hier das Thema. Irgendwann bevor ich ein klein wenig abgedriftet bin. Okay, wer hier immer noch mitliest, wird belohnt. Das Spiel beginnt tatsächlich. Obwohl eigentlich wollte ich mir noch einen Kräutertee nach Hildegard von Bingen...... Ja, is ja gut. Ich mach ja schon. Also Jens fängt an. Er hat in einem Zug 2 Möglichkeiten. Entweder er kauft eine Karte, oder er verkauft 2 gleichfarbige Karten. Und da wir ja alle superschlau sind und sogar Abi haben oder so, folgern wir daraus, das Jens eine Karte nimmt. Denn er hat ja noch keine, kann also nicht verkaufen. Er darf immer nur die unterste Karte einer Spalte nehmen. Er nimmt sich die grüne 5. Und halt - bezahlen nicht vergessen! Er bezahlt 5 Geld für die Karte. Ich bin dran. In der Spalte wo er die 5 weggenommen hat, liegt jetzt eine mickrige gelbe 2. Und in den anderen Spalten sieht es nicht besser aus. Das beste wäre in der ersten Spalte die lila drei. Aber die nehme ich nicht. Warum? Nein, nicht weil ich meinen Mann über alles liebe und ihm keine Niederlage antun will.  Nein, es sind gemeinere Hintergründe. Hinter der lila 3 liegt eine grüne 6. Und die würde er dann im nächsten Zug nehmen. Das wären dann mit seiner grünen 5 30 Geld für ihn, da bei Verkauf, die Werte der 2 gleichfarbigen Karten multipliziert werden. Ich nehme mir erstmal Zeit, um die Gesamtsituation in Ruhe zu analysieren. Nehme ich die rote 2 und hoffe, das Jens die rote 4 freilegt? Oder nehme ich die  grüne 2? Aber dann könnte Jens ja die doch........ grübel, grübel. Und Jens behauptet, das Spiel sei seicht. Mein lieber Junge! Na, gut ich mach ja schon und nehme die rote 2.
 
Jens erwirbt  beinahe die lila 3. Aber er entscheidet sich dann doch dagegen, denn dann würde ich ihm im nächsten Zug die grüne 6 wegschnappen auf die er so erpicht ist. Also nimmt er die grüne 2. Ha, und ich kann mir endlich die rote 4 nehmen. Die Auslage ist relativ uninteressant. Aber nützt ja nix, Jens muss was machen. Er nimmt die relativ uninteressante gelbe 2, nur damit ich keine gute Vorlage habe. Macht nix, ich verkaufe jetzt erstmal. Eine rote 2 und eine rote 4. Wo ist denn bloss mein Taschenrechner? Ah,ja - dat macht 8 Geld. Eingekauft hatte ich für 6. Also Gewinn: 2. Das ist nicht doll. Die 2 als Multiplikator ist ziemlich uninteressant. Aber sonst hätte ich eine Karte kaufen müssen, die ich nicht möchte. So ist nun Jens wieder dran. Er könnte jetzt auch seine beiden grünen Karten - 5 und 2- verkaufen. Er hofft aber auf die grüne 6 und nimmt eine Karte. 
 
combiSo geht es dann weiter. Wenn nichts Gutes liegt, verkaufe ich lieber mal eine Kombination. Ich grübel viel, was denn zu nehmen das richtige ist. Beim eigenen Zug ist auch der Zug des Mitspielers zu bedenken und die Möglichkeiten, die sich dann daraus theoretsich dann wieder ergeben. Der optimale Zug bringt einem selber eine gute Karte und lässt dem Mitspieler eine schlechte Karte. Auch ist das Startkapital knapp bemessen. So das wir eventuell früher gezwungen sind zu verkaufen, als uns lieb ist. Aber, wer schnell wenig Geld hat, dürfte bis dahin wohl eher bessere, hohe Karten gekauft haben. Bei diesem Spiel ist Timing alles. Warte ich zulange mit dem verkaufen, ist das Spiel vielleicht vorbei und ich habe noch viele Karten auf der Hand. Aber jedesmal wo ich verkaufe, kann ich nichts kaufen. 
 
Irgendwann passiert es dann, es liegen nur noch 2 Spalten. Nun darf jeder noch eine Kombination verkaufen. Und der reichste Spieler hat gewonnen. Ich habe zwar aufmerksam gespielt und doch kam das Spielende wieder relativ plötzlich. Aber mit 2 Punkten Vorsprung gewinne ich ganz knapp. Aber es geht ja nicht ums gewinnen, nein, liebe Brüder und Schwestern, Kinder von Mutter Erde,  in Freude und Friede wollen wir miteinander verweilen.....
 
Die Spieler können das Spielende gezielt beeinflussen, dadurch aus welchen Spalten sie nehmen. Nehmen sie gleichmässig aus den Spalten oder grasen sie sie schnell eine nach der anderen ab. So ist es auch schwierig abzuschätzen welche Karten man letztendlich noch bekommt. 
 
Das Spiel selber kommt ohne jegliches Glück aus. Nur der Spielaufbau, der kann dem Startspieler einen grossen Vor- oder Nachteil bescheren. Je nachdem wie die Karten liegen.
 
Oberflächlich mag Combit simpel erscheinen, ich finde aber, das  mit steigender Spielerfahrung mehr dahinter steckt. Es kommt halt auf unsere innere Einstellung an, wie wir an das Spiel herangehen. Man kann es aus dem Bauch herausspielen.  Dann ist es aber langweilig. Und ich bin eigentlich ein aus dem Bauch Spieler. Aber dieses Spiel ist was für Kopfspieler. Mir gefällt es. Jens widerspricht. Er meint, das Spiel sei von vorneherein ausrechenbar. Und wenn keiner einen Fehler macht, würde zu Spielbeginn, wenn Karten und Spielerreihenfolge feststehen, auch der Gewinner feststehen. Ich weiss  nicht, wer von uns Recht hat. Aber selbst ist der Spieler, sprich ausprobieren. Ab in den Esoterikladen, ähm Spieleladen, auch nicht, nein, zum Flohmarkt, den Combit ist nicht mehr erhältlich. Viel Spass auf der Suche nach dem Spieleschatz, ich muss los. Da ist doch dieser Kurs Menstruationstrommeln nach Feng Shui.......
 
Wertung Sarah: 7 von 10
Wertung Jens  : 3 von 10
 
Combit, Klaus Palesch und Horst-Rainer Rösner, Winning Moves, 2 Spieler 
 
 



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