Ja was haben wir denn da? Ein Drache mit 4 Köpfen! Nein, kein Horrorfilm, der sieht sogar ganz knuffig aus. Und praktisch sind 4 Köpfe ja allemal. Da kann er in 1/4 der Zeit seine Mahlzeiten zu sich nehmen. So hat er dann mehr Zeit zum spielen. Aber damit nicht genug. Unser putziger Drache kann dann sogar ganz hervorragend Stichspiele mit sich selber spielen. Schließlich sind 4 Personen da ja meist die Idealbesetzung. Unser Drache allerdings gewinnt immer, weil er sich selber immer in die Karten guckt....
Wir haben es da nicht so leicht. Erstmal genügend Mitspieler finden, da sich Stichspiele ja nicht bei allen Spielern großer Beliebtheit erfreuen. Ich stehe dieser Art von Spielen eher, naja, neutral gegenüber. Keine Ablehnung, aber auch keine Begeisterung. Oder anders ausgedrückt: Ich muß nicht jedes Stichspiel spielen, aber wirklich gute spiele ich sehr gerne mit.
In der Schachtel, auf der in gelben Lettern der Schriftzug '4 in 1' prankt
bekommen wir gleich 4 Stichspiele in einer Schachtel, wie der Name ja auch schon andeutet. Anderswo bekommen wir ja sogar 150 oder gar 200 Spiele in einer Schachtel, aber das sind dann ja auch Spiele, die keiner von uns freiwillig spielen mag. Da legen wir Spieler dann doch eher Wert auf Qualität als auf Quantität.
Alle vier Spiele sind für den einen oder anderen unter uns alte Bekannte, also eine Neuauflage von zum Teil vergriffenen Spielen. Nun gut, genug der einleitenden Worte, nun gucken wir uns doch mal den spielerischen Inhalt der 160 Karten umfassenden Schachtel an.
Fangen wir doch mal mit Njet an. Okay wir brauchen den Spielplan, je 15 Karten in 4 Farben und zwar 1 mal 1, 3 mal 0, 1 mal 2, 1 mal 3........Da werden wir auf eine Geduldsprobe gestellt. Ganz ehrlich, es nervt für jedes Spiel erstmal die passenden Karten heraussuchen zu müssen.
Njet ist ein Partnerspiel. Wie so oft in Stichspielen versuchen wir möglichst viele Punkte zu machen. Das eigentliche Stichspiel folgt üblichen Regeln. Der Kniff liegt in dem, was vor dem
eigentlichen Stichspiel geschieht. Die Spieler decken auf dem Spielbrett Bedingungen für das Stichspiel ab, sagen also Njet zu bestimmten Bedingungen. Dadurch werden die Rahmenbedingungen festgelegt: wer ist Startspieler, wieviele Karten werden abgelegt, Trumpffarbe, Supertrumpf und Punktwert des Stiches. Das ist interessant, Rahmenbedingungen auf das eigene Blatt abzustimmen. Leider kann man nur bestimmen was NICHT Rahmenbedingung wird, dabei würde man doch viel lieber festlegen WAS Rahmenbedingung ist. Aber das wäre auch zu einfach. Also wird das zur Rahmenbedingung, was von den Spielern nicht ausgeschlossen wird. Njet ist relativ einfach, die Spieldauer angenehm und gefällt mir ganz gut. Es macht Spaß, auf die passenden Rahmenbedingungen zu hoffen. Wir spielen es allerdings lieber jeder für sich, statt als Partnerspiel. Njet bekommt von mit eine 7 von 10.
Spiel Nummer 2 ist Mü. Wieder wollen wir fleissig Punkte kassieren. Das besondere hier ist, das das Recht den Trumpf zu bestimmen versteigert wird. Wer die meisten Karten bietet wird Chef bzw. Vize. Die dürfen nun je einen Trumpf bestimmen. Zu schön, um wahr zu sein? Ja, richtig, es gibt noch einen Haken. Durch die Anzahl der gebotenen Karten legt der Chef fest, wieviele Punkte er mit seinem Partner erreichen muss. Da haben wir den Salat! Das Spiel ist relativ kompliziert. Ist es erstmal kapiert, macht es aber durchaus Spaß. Mü bekommt ebenfalls 7 von 10 Punkten.
Was sticht? Bei Was sticht? müssen die Spieler Aufgabenkarten erfüllen. Zum Beispiel: keine Stiche machen oder den letzten Stich machen. Dazu suchen wir uns erst die Karten aus mit denen wir das Spiel bestreiten wollen und dann die Aufgabenkarte. Wer seine 4 Aufgabenkarten zuerst erfüllt hat, hat gewonnen. Das hört sich gut an und macht eigentlich auch Spaß. Aber nur eigentlich. Denn leider hat das Spiel 2 Haken. Zum einen ist es fürchterlich kompliziert die Karten auszusuchen, da gibt es zu viel Regelwerk. Zum zweiten zieht sich das Spiel. Wir haben 1 Stunde für eine Partie gebraucht, das war uns dann doch zu lang für das Gebotene. Schade, denn die Idee als solches ist doch wirklich gut. Wertung 6 von 10 Punkten.
So, einen haben wir noch. Meinz. Meinz ist das einfachste Spiel der Sammlung. Das besondere hier: wir dürfen vorlaut sein. Durch das rufen von 'Meinz'
sichern wir uns den Stich. Dies geschieht allerdings der Reihe nach. Dabei ist 'Meinz' rufen gar nicht mal so unriskant, da man ja nur die bishergespielten Karten kennt. Den Stich bekommt der Spieler, der die niedrigste Karte gespielt hat. Nun kommt ein Element das mir gut gefällt. Man darf eine Handkarte gegen eine Karte des gerade eroberten Stichs austauschen. Pro Runde bekommt jeder Spieler exakt 2 Stiche. Für die Summe aus beiden erhalten die Spieler Punkte. Der mit der dritthöchsten Summe geht hierbei immer leeer aus. Insgesamt ist Meinz ziemlich chaotisch. Alle Mitspieler waren etwas enttäuscht. Wir versuchten Einfluss zu nehmen, fühlten uns allerdings als beliebige Spielbälle des Spiels. Meinz hat nette Ideen, etwas zu viel Regeln, der Spielspaß hielt sich stark in Grenzen, es hinterlies eher ein Achselzucken bei den Mitspielern. Und ich hatte dummerweise den Abend mit diesem Spiel begonnen. Sie sind dann aber zum Glück trotzdem geblieben, die Mitspieler. Wertung: 4 von 10.
Insgesamt ist 4 in 1 sicherlich eine lohnende Anschaffung für Stichspielfreunde. Wie gesagt, selbst ich als Nichtfan, habe mich gut unterhalten gefühlt. Der Nachteil bei diesen Spielen: um sie wirklich zu durchschauen, muß man sie häufig spielen. 4 in 1 ist sicherlich keine Absackerkartenspielsammlung, sondern eher anspruchsvolle Kost. Die Spieleranzahl ist mit 2 bis 6 Spielern angegeben, was ein echter Witz ist. Njet ist das einzige mit 2 Personen spielbare Spiel. Und das auch nur in der Theorie. Ich persönlich rate von Njet zu Zweit absolut ab.
Toll finde ich die Grundsatzerklärung zu Beginn der Spielregel. Gut, die meisten wissen was 'bedienen' heißt, aber eben doch nicht jeder. Da war ich doch mal irgendwann zarte 14 Jahre alt. Da habe ich mir im örtlichen Schnäppchenmarkt Rage für 3 DM gekauft. (Kann es sein, das das damals in einer schwarzen Schachtel mit einen Gorilla war??). Jedenfalls habe ich es gekauft und .... nie gespielt. Ich habe die Regeln nicht verstanden. Von daher Lob von mir, das Stichspielneulingen hier der Einstieg erleichtert wird.
4 in 1, Dorra/Nestel/Schmiel/Burkhardt, Amigo, 2007, 2-6 Spieler(theoretisch)
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