Ich bin kein PC - Spieler. Das einzige PC - Spiel, das ich liebe und spiele ist Command & Conquer. Sonst nix, gar nix.
Aber dann war da das Brettspiel Anno 1503 zum gleichnamigen PC - Spiel. Und ich mochte das Brettspiel. Nun habe ich mir auf dem Flohmarkt das PC - Spiel Anno 1503 gekauft - Flopp. Mag ich nicht. Ist ja halt auch nicht Command & Conquer...
Gerade erschienen ist nun das Kartenspiel zum Nachfolger Anno 1701. Auch wenn das PC - Spiel Anno 1503 meins nicht ist, das Brettspiel ist Klasse. Und wenn das Kartenspiel zu Anno 1701 auch so gut ist, kann ich mit dem Kauf ja nichts verkehrt machen, besonders wo es doch Ähnlichkeiten mit dem Siedler Kartenspiel haben soll, oder??
Im Inneren der Schachtel sieht es dann auch vertraut aus. Ähnlichkeiten mit dem Siedler von Catan Kartenspiel, sind nicht zu leugnen. 2 Würfel - 2 mit Zahlen, der andere ein Ereigniswürfel, 2 Holzfiguren - Seemacht und Handelsmacht, sowas kennen wir doch. 120 Karten sind in der Schachtel.
Diese sind in verschiedene Arten unterteilt. Die Startkarten der beiden Spieler, die 2 Dörfer, Landschaften, Lager , 1 Schiff und 4 Siedler je Spieler zeigen. Diese werden zu Beginn des Spiels ausgelegt. Die Dörfer enthalten das Gold der Spieler, die Landschaften enthalten Rohstoffe. Diese Karten haben ein Würfelsymbol und wann immer mit dem Zahlenwürfel die abgebildete Zahl gewürfelt wird, erhält die Landschaft einen solchen Rohstoff. Maximal 3 davon kann eine Landschaft aufnehmen. Das Schiff funktioniert ähnlich, nur das es nicht Rohstoffe erhält, sondern stabiler gebaut wird. Es kann ausserdem mit Holz ausgebaut werden. Die Läger haben kein Würfelsymbol. Sie enthalten 2 besondere Güter - Rum und Tabak. Diese brauchen wir, um unsere Siedler zu Kaufleuten aufzuwerten. Ist klar - wir sind ja ohne Schnaps und Kippen so fürchterlich primitiv..... . Rum und Tabak können wir weder ertauschen, verlieren oder erwürfeln. Nur per Schifffahrt bekommen wir diese lebensnotwendigen Güter. Und wozu unsere Einwohner aufwerten? Nun ja, um zu gewinnen, brauchen wir entweder 2 Kaufleute oder 7 Gunstpunkte. Gunstpunkte sind auf den Bewohnern abgebildet. Einer auf dem Siedler (erste Ausbaustufe) und sogar drei auf den Kaufleuten.
Weitere Karten steuern unsere Seefahrtsunternehmungen und die restlichen Karten können wir zum Ausbau unserer Landschaften nutzen. Da gibt es Kanonengießereien, um besser gegen Piraten kämpfen zu können. Da gibt es eine Feuerwache, um unsere Bürger und Kaufleute vor Feuer zu schützen. Andere Karten bringen Handelsvorteile oder machen unser Schiff schneller. Und dann sind da die Ereigniskarten. Diese ermöglichen es uns, eine Karte oder Gold vom Gegner zu erhalten oder einmalig unsere Chancen auf hoher See zu erhöhen.
Eine Runde läuft ganz einfach ab. Würfeln. Dadurch erhalten wir zum einen Rohstoffe, zum anderen wird ein Ereignis ausgelöst - mal zum Guten, mal zum Schlechten. Hier kommen auch See- und Handelsmacht ins Spiel, die Vorteile bringen. Nun kann der aktive Spieler bauen und Aktionskarten spielen. Und zwar kann er sein Schiff aufrüsten, Gebäude errichten oder seine Einwohner aufwerten. Bezahlt wird, indem die jeweiligen Rohstoffe abgegeben werden (die Karten werden hierzu gedreht). Einwohner aufzuwerten ist nicht nur im Hinblick auf die Gunstpunkte (Siegpunkte) interessant. Sondern auch im Hinblick auf den Kartennachschub. Unseren Zug beenden wir, indem wir unsere Kartenhand wieder auf 3 Karten auffüllen oder in See stechen. Zu Anfang dürfen wir nur vom 1er Stapel nachziehen. Bauen wir einen Pionier zum Siedler aus, dürfen wir auch Karten vom 2er Stapel nachziehen, beim Ausbau zum Bürger dann von allen Stapeln.
Statt für Kartennachschub zu sorgen, können wir auch in See stechen. Dies funktioniert wie beim "Sternenschiff Catan". Wir können soviele Karten vom Seefahrtsstapel aufdecken, wie unser Schiff Segel besizt. Dabei treffen wir auf Händler, die die einzige Möglichkeit darstellen, an Rum und Tabak zu gelangen. Aber wir treffen auch auf Wirbelstürme, die unser Schiff schwer beschädigen und auf jede Menge Piraten. Gegen die Abgabe eines Goldstückes lassen sie uns ziehen, aber das kann sich auf Dauer niemand leisten. Bei Goldmangel können wir die Funktionsfähigkeit eines Dorfes verlieren und im Schlimmsten Fall sogar gleich das ganze Spiel. Also ran an die Kanonen - äh Würfel - und gekämpft. Das kann gutgehen und uns ein Gold bringen. Aber das kann auch schiefgehen und unser Schiff beschädigen. Um im Kampf Chancen zu haben, brauchen wir Kanonen, die wir ja bauen können.
So, das war jetzt aber genug Regeln. Details fehlen noch, aber die kann ja jeder im Regelheft nachlesen. Jedenfalls hört sich doch alles vertraut an, Neues gibt es nicht wirklich, ein Mix aus bekannten Mechanismen. Aber "Die Siedler von Catan - Das Kartenspiel", gehört zu meinen Lieblingsspielen. 89 Partien habe ich gespielt. Da kann Anno 1701 doch gar nicht so schlecht sein - so als Abwechslung? Jein. Gäbe es das Siedlerkartenspiel nicht, würde mir Anno 1701 bestimmt besser gefallen, aber das Siedlerkartenspiel gibt es nun einmal. Anno 1701 bleibt wohl das gleiche Schicksal vorbehalten wie auch dem Sternenschiff Catan. Das Bessere ist der Feind des Guten. Dabei mag ich bei Anno 1701 noch nicht mal von gut sprechen.
Warum? Nun, es gibt einiges, was mich an Anno1701 stört. Die Schifffahrt ist extrem glücksabhänig. Da decke ich einen Wirbelsturm, gefährliche Klippen und Piraten auf, verliere mein Schiff und das war es mit meiner Seefahrt. Nichts erreicht, sondern nur verloren. Trotz 7!!! Kanonen! Und Handkarten durfte ich ja auch nicht nachziehen. Ich habe jetzt 3 Partien gespielt und in der Dritten Partie war dies extrem. Nur Pech in der Schifffahrt. So kommt man auf keinen grünen Zweig. Bei Jens lief es hervorrragend. Obwohl er kaum Kanonen und wenig Segel hatte. Aber er deckte ständig Händler auf und nur leichte Piraten. Und wie gesagt, Schifffahrt ist die EINZIGE Möglichkeit, an Rum und Tabak heranzukommen. Und ständig missglückte Seefahrten verlängern das Spiel. Da muss dann erst wieder das Schiff aufgebaut werden... Das ist mir für ein Spiel dieser Spieldauer einfach zu glücksabhänig.
Gegen Ende des Spiels geht es eigentlich nur noch um die Seefahrt. Gebäude bringen keine Siegpunkte. Gebäude brauchen wir zwar erstmal um Kanonen und Segel und so zu bekommen, doch dann geht es ab einem bestimmten Zeitpunkt eigentlich nur noch um Rum und Tabak, um endlich seine Leute aufrüsten zu können und die 7 Gunstpunkte bzw. 2 Kaufleute zu haben. Gebäude werden dann nicht mehr unbedingt gebaut. Schliesslich kann man ja nur Handkarten nachziehen oder auf Seefahrt gehen. Und dann entscheidet man sich doch eher für die Seefahrt und hofft hierbei auf Rum und Tabak. Alles sehr unbefriedigend.
Und überhaupt - die Spieldauer. 60 Minuten stehen auf der Schachtel. Das kann hinkommen, kann aber auch mal leicht in 90 Minuten und mehr ausarten. Und so spannend ist das Spiel nicht, das ich Lust habe 60 - 90 Minuten damit zu verbringen. Denn wenn mein Gegner am Zug ist, heisst es, WARTEN. Und das kann dauern, gerade bei der Schifffahrt. Gähn! Es ist auch nicht wirklich interessant für mich, was mein Gegenspieler da so treibt. Beim Siedlerkartenspiel ist einfach mehr Interaktion und vor allen Dingen SEHR viel mehr Spannung. Da kann ich beim Gegner einen Ritter umhauen oder mal ein teures Gebäude abfackeln. Da beobachte ich was mein Gegner so unternimmt. Bei Anno 1701 gibt es nur eher lahme Aktionskarten. Da es eigentlich keine Gebäude gibt, auf die man absolut scharf ist, ärgert einen auch der Spion nicht allzu sehr. Das Siedlerkartenspiel ist sehr vielfältig, Anno 1701 ist eher eine Lightversion bei gleicher Spieldauer. Spieler können untereinander tauschen. Aber bei uns hat dieses Tauschen schon beim Siedlerkartenspiel in der Realität sehr, sehr selten stattgefunden. Für mich ist Anno 1701 daher ein Fehlkauf. Hat in mir aber den Gedanken geweckt, das ich gut mal wieder das Siedler Kartenspiel spielen könnte...
Wertung Sarah: 5 von 10
Wertung Jens : 6 von 10
Anno 1701, Klaus Teuber, Kosmos, 2007, 2 Spieler, noch erhältlich
Kommentare (3)
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