In meinem Elternhaus wird kaum gespielt. Schach, Halma und in letzter Zeit Autoquartett (ja, in echt - kein Scherz - Autoquartett!). Wie schön. Die geeignete Gruppe, um 20 Questions auf den Tisch zu bringen. Ernsthaften Spielern darf man ja mit sowas nicht kommen.Tja, Pech, denn sie verpassen was vom Leben. Und Überhaupt - ernsthafte Spieler - das lasse ich mir doch mal im Munde zergehen. War ich doch immer der Meinung der Zweck des Spielens liegt darin, gemeinsam Spaß zu haben.
Sogar lachen zu dürfen. Aber nein, wir sind ernsthafte Spieler. Wir spielen zwecks interkommunikativer pädagogisch wertvoller intellektueller Denkarbeit. Oder so ähnlich. Ich aber nicht. Ich will Spaß.
Zurück zu 20 Questions. Also Mutter, Bruder, Schwester und Ehemann an den Tisch genötigt. Vater muss Radsport gucken und hat keine Lust zu spielen. Schachtel auf, Regeln schnell erklärt und los gehts......
Okay, die Regeln. Wer als erster das Feld mit der Aufschrift Ziel erreicht, gewinnt. (Ich höre an dieser Stelle einen ernsthaften Spieler weinen). Aber es soll noch schlimmer kommen. 20 Questions ist nämlich ein Quizspiel. Wir erraten Personen, Orte, Dinge und Jahre. Das allerdings nur in der alten MB Ausgabe. Später in der University Games Ausgabe erraten wir Jemand, Irgendwo und Etwas. Und das ist keine schlechte Änderung. Für die Jahreszahlen sind wir eh zu böd und ungebildet.
Neben dem Spielplan und den Chips zum Raten gibt es 396 Karten in der MB Ausgabe auf die ich mich jetzt einfach mal beziehe. Groß sind die Unterschiede der Ausgaben eh nicht.
Also Mutter nimmt die oberste Karte. Guckt sie sich verdeckt an - auf der Karte steht "Bank". Und da steht "Ding". Sie legt einen Chip auf das Feld auf dem Spielplan, auf dem "Ding" steht. Dies ist der erste Hinweis für die Rater. Glück gehabt - also kein schweres Jahr.
Nun ist meine Schwester dran. Sie legt einen Chip auf das Feld "6"
des Spielplans. Dort sind Zahlen von 1- 20 abgebildet, die ihre Entsprechung auf der Karte des Vorlesers haben. Also Mutter liest vor: "Hinweis Nr. 6 - Ich kann aus Sand sein." Alle fangen an fieberhaft zu grübeln. Meine Schwester hat nun einen Rateversuch. Sie sagt: "Sandburg" und liegt damit nun leider daneben. Das hat keine negativen Auswirkungen für sie - außer vielleicht ein vom Psychologen zu behandelndes Problem des plötzlichen Verlusts jeglichen Selbstwertgefühl. Nun ja.
Vielleicht hat mein Mann ja mehr Glück. Er legt einen Chip mutig auf die 12. Mutter liest wieder vor: "Meine Auskunft ist vertraulich." Mein Mann fängt an fieberhaft zu überlegen. Sand und vertraulich. Hmmm? Aber er kennt das Spiel schon und weiss, das man um die Ecke denken muss, schliesslich gab es das Spiel auch eine zeitlang unter dem Namen Querdenker.
Er will gerade zu einer Antwort ansetzen, kommt aber nicht mehr dazu.Mein Vater, der ja keine Lust hat zu spielen, will sich nur mal eben einen Kaffee holen. Er geht aber irgendwie gar nicht mehr aus der Küche und ruft satt meines Mannes eine Antwort: "Arzt". Er hatte den ersten Hinweis ja nicht mitbekommen. Wir bewerfen ihn mit Erdnüssen und sagen ihm, er solle entweder mitspielen oder die Klappe halten. Aber er bleibt hartnäckig in der Küche.
Nun versucht mein Bruder sein Glück: "Ich nehme Hinweis Nr.1.". Mutter: "Ich habe viel Geld." Wir lachen. Mein Bruder aber zögert einen Augenblick, wir halten meinen Vater mit Erdnüssen unter Kontrolle und mein Bruder ruft:" BANK!"
Wir alle rufen : "Hä????". Mutter: "Mist, stimmt, das gibt aber wenig Punkte für mich." Mein Vater findet das Fernsehprogramm gar nicht mehr so spannend und schliesst sich der Diskussion an: "Also das war doch einfach - die Bank hat Geld und Ihre Auskunft ist vertraulich." Meine Schwester wirft ein:" Nun macht auch der erste Hinweis einen Sinn - SANDbank." Genau. Selbstbewusstsein wiederhergestellt. War doch ganz einfach.
Und nun werden die Punkte verteilt. 20 insgesamt. Davon bekommt mein Bruder 17 Punkte, da er den Begriff so schnell erraten hat. Meine Mutter bekommt pro Hinweis - also pro Chip auf den Zahlenfeldern - einen Punkt - macht 3 Punkte. Nun wird der Spieler rechts vom Vorleser neuer Vorleser.
Je nach Ausgabe gibt es noch Bonusfelder, die wir aber nicht mögen und deshalb einfach ohne spielen. (Der ernsthafte Spieler keucht noch einmal und geht dann ächzend zu Boden).
So geht es eine Weile und dann ist auch leider alles viel zu schnell vorbei, nachdem Schneewittchen, 1982, Walzer, Fingerabdrücke, Boris Becker und der Grand Canyon mehr oder minder erfolgreich erraten wurden. Mutter hat mit Hilfe von Vaters Unterstützung, der einfach nicht die Küche verlassen wollte (uns waren die Erdnüsse ausgegangen), gewonnen. Revanche nun mit Vater als offiziellen Mitspieler.
Ein ganz tolles Spiel, das ich Familien, aber auch jedem nicht ernsthaften Spieler sehr ans Herz legen kann. Ich habe 68 Partien gespielt und habe immer noch nicht genug. Dadurch, das nicht einfach nur pures Wissen abgefragt wird, sondern um die Ecke gedacht werden muss, blamiert sich niemand. Gerade einfache Dinge sind schwer zu erraten. Das sorgt für Überraschungen und Diskussionen. Zu Zweit kann ich 20 Questions allerdings nicht so sehr empfehlen. Es funktioniert - sicher, aber es ist nicht so der Brüller wie mit mehr Spielern.
Wertung: 8 von 10
20 Questions/Querdenker von MB/University Games, 2-6 Spieler ab 12 Jahre, nicht mehr im Handel erhältlich.
Sarah Kestering
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