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Carcassonne gibt es ja auch in echt. Aber wer hat schon mal was von dieser französischen Stadt gehört, bevor das Spiel Carcassonne so ein Erfolg wurde? Ich jedenfalls nicht. Obwohl, ich muss eingestehen, Erdkunde war ja auch nicht gerade mein bestes Fach in der Schule.
Die Spielanleitung klärt uns sogar auf, das Carcassonne berühmt ist für seine Befestigungsanlage aus der Zeit der Römer und der Ritter. Wie gut das Spielen bildet, da habe ich ja noch Hoffnung was meine Bildung angeht.
Im Spiel des Jahres 2001 bauen die Spieler eine wirklich schön anzusehende Landschaft auf den Tisch...
Carcassonne ist ein wunderbares, etwas taktisches Spiel für zwischendurch. Einfache Regeln und viel Spass beim Spielen. Ziel ist es mal wieder möglichst viele Punkte zu ergattern. Wer am Zug ist zieht ein Landschaftskärtchen und legt dieses an. Das neue Kärtchen muss dabei an ein schon liegendes Kärtchen anliegen. Es darf nicht über Eck gelegt werden und die Landschaften müssen fortgesetzt werden.
Wir haben nun die Möglichkeit einen unserer Gefolgsleute einzusetzen. Die Gefolgsleute sind, Wegelagerer, Bauern, Mönch oder Ritter, je nachdem auf welche Landschaftsart wir sie plazieren. Den Einsatz sollte man sich gut überlegen, da jeder Spieler nur 7 Gefolgsleute zur Verfügung hat. Und wir wollen ja möglichst viele Punkte machen. Dabei ist zu beachten, das so ein Gefolgsmann nur auf das gerade eben gelegte Kärtchen gesetzt werden darf. Da die Karte mehrere Landschaftstypen zeigt, muss man sich entscheiden auf welchen Teil der Karte man den Gefolgsman setzt. Dabei dürfen beim Einsetzen keine 2 Gefolgsleute in einem verbundenen Stadtteil, Strassenabschnitt oder Wiese gesetzt werden. Es ist aber durch geschicktes Legen möglich, das trotzdem mehrere Gefolgsleute in z.B. einer Stadt stehen. Dazu werden die Kärtchen so gelegt, das sie sich erst nicht berühren und erst später mit einem weiteren Kärtchen verbunden werden.
Wird nun hierbei eine Strasse, eine Stadt oder ein Kloster fertiggestellt, wird gewertet. So gibt ein fertiges Kloster 9 Punkte, eine Strasse soviel Punkte wie sie lang ist und eine Stadt 2 Punkte pro Kärtchen. Allerdings gibt es nur 2 Punkte für eine Stadt, die nur aus 2 Teilen besteht. Wappen in einer Stadt sind 2 Punkte wert. Sind mehrere Gefolgsleute vertreten, bekommt derjenige mit der Mehrheit die Punkte. Bei Gleichstand erhalten alle die Punkte. Die Bauern, also die Gefolgsleute, die wir auf die Wiese legen, sind eine Sache für sich. Unter Carcasonnern heisst es ja immer: Achtet die Bauern! Für die Bauern bekommt man erst zum Spielende Punkte. Einmal eingesetzt, hat man für den Rest des Spiels weniger Gefolgsleute zur Verfügung. Und die sind eh schon knapp. Auf der anderen Seite können die Bauern verdammt viele Punkte bringen. Auf der Wiese, auf der sie liegen und die Mehrheit haben, bekommen sie für jede vollendete Stadt 3 Punkte! Das kann sich summieren. Die Kunst liegt nun darin, die Bauern zur richtigen Zeit einzusetzen. Zu Anfang weiss ich noch nicht welche Wiesen eventuell wertvoll werden. Aber dies kann ich natürlich durch den verstärkten Bau von Städten in diesem Bereich beeinflussen. Warte ich zu lange mit der Plazierung von Bauern, kann das ins Auge gehen. Dann sind wahrscheinlich alle lukrativen Wiesen bereits besetzt. Und es zeigt sich, das man dann meistens den Sieg verspielt hat.
Sobald das letzte Kärtchen gelegt wurde, endet das Spiel und es folgt die oben beschriebene Bauernwertung und es gibt noch Punkte für unvollendete Strassen, Klöster und Städte. Allerdings gibt es für unvollendete Städte nicht soviel Punkte wie für Fertige. Die Bauernregel macht vielen Carcassonneanfängern Schwierigkeiten. Das Problem ist es, die Grösse der Wiese zu erkennen. Hier mein Wiesengebietserklärungsversuch. Also die Strassen stellt man sich als Mauern vor, die Städte haben auch Mauern. Ausserdem sind wir im Mittelalter. Die Welt ist eine Scheibe. Und wenn wir an den Rand kommen, fallen wir runter. Der Rand ist also auch eine Begrenzung, eine Mauer. Also überall wo mein Bauer ohne Hindernis hergehen kann, das ist seine Wiese. Diese Wiese kann sehr klein oder aber auch sehr gross sein. Naja, war ein Versuch.
Zwar gibt es bei Carcassonne durch das Kärtchenziehen Glück, aber Taktik ist doch vorhanden. Dies merkt man bei steigender Spielerfahrung. Mit allen Plättchen lassen sich Punkte machen, mit einigen aber doch mehr. Baue ich an einer grossen Stadt in der auch noch Wappen mit einem Punktwert von je 2 Punkten sind, versucht mein Mitspieler bestimmt sich in diese Stadt per Hintertürchen noch mit hineinzubauen.
Carcassonne kann man sehr unterschiedlich spielen. Gemütlich und friedlich. Nachdenklich oder locker. Aber auch agressiv und taktisch. Baut jeder gemütlich vor sich hin, ist Carcassonne ein schönes, entspannendes, sehr glücksabhängiges Spiel. Versuche ich jedoch mich an den Erfolg der Mitspieler anzuhängen oder es ihm unmöglich zu machen gewisse Städte oder Strassen zu vollenden, wird es taktisch und kann recht agressiv werden. Also jetzt nicht so mit einander anschreien agressiv, mehr spannend agressiv. Verhindere ich das mein Mitspieler seine Strasse oder Stadt fertig bauen kann, bekommt er am Ende zwar noch Punkte, wenn auch für Städte weniger, aber er hat auch einen Gefolgsmann festsitzen, den er an anderer Stelle vielleicht dringend brauchen könnte. Setze ich einen Gefolgsmann ein, muss ich mir überlegen, ob ich beispielsweise die Stadt sehr gross ausbaue, um einmal richtig Punkte abzusahnen oder nur kleinere Städte baue und damit flexiber in dem Einsatz meiner Gefolgsleute bin. Eine grosse Stadt birgt das Risiko, das ich diese vielleicht bis zum Spielende nicht mehr vollendet bekomme und dann ist sie nicht so viele Punkte wert. Aber das hatten wir ja schon an anderer Stelle. Also etwas Planung kann nicht schaden.
Es steckt also mehr in Carcassonne, als es scheint. Nach meinen ersten 2 Partien war ich enttäuscht und verstand nicht, was man an diesem schnarchigen Kärtchengelege bloss finden kann. Da kann ich ja Bilderlotto spielen, dachte ich. Aber ich wurde belehrt. Aber auch zu sehen wie sich die von Doris Matthäus gezeichnete Landschaft über den Tisch ausbreitet, bereitet schon Vergnügen. Mitlerweile finde ich es spannend zu sehen, welches Kärtchen ich als nächstes ziehe. Und da kann manche Hoffnung gerade zu Spielende den Bach heruntergehen. Carcassonne ist ein echter Dauerbrenner, der auch nach Jahren nichts von seinem Reiz eingebüsst hat. Ich habe mir sogar noch ein zweites Carcassonne zugelegt, nämlich die Ausgabe in der Blechdose.
Ich habe einen grossen Teil meiner 38 Partien zu Zweit gespielt. Es spielt sich in der 2 Personen Besetzung ohne Abstriche an Spannung und Spass.
Wertung: 10 von 10
Carcassonne, Klaus - Jürgen Wrede, Hans im Glück , 2-5 Spieler ab 8 Jahren, noch erhältlich.
Sarah Kestering
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