Früher, als meine größten Sorgen noch die Mathehausaufgaben für nächste Woche waren, da habe ich gerne Schiffe versenken gespielt. Doch die Zeiten ändern sich. Mathe kann ich noch immer nicht, aber meine Ansprüche an Spiele sind deutlich gestiegen. (Wie das Wasser in diesem Spiel, kicher, kicher). Jedenfalls wird man älter. Und Schiffe versenken zu anspruchslos. Da sollte es schon ein bißchen mehr sein. Eine ganze Stadt versenken? Wie jetzt? New Orleans - das Spiel? Nein? Ach, Atlantis? Ja, schon mal von gehört.
Und dieses sagenumwobene Atlantis hat ja die Angewohnheit unterzugehen. Weil es sich aber so ungemütlich 3 Stockwerke unter Wasser lebt, heißt es ...
...Land zu gewinnen. Von Atlantis aus geht es los. Ein Parcour aus Papplättchen sichert uns den Weg ans Festland.
Die Atlanten, also die Bewohner von Atlantis, waren schon sehr lässig. Atlantis macht gluck, gluck. Aber es rennt keiner, schreit keiner. Smooth. Die Atlanten sind lässig und verlassen ruhig schlendernd und Fähnchen schwenkend die Stadt. Aber sonst wäre die Coverillustration ja auch nicht familienfreundlich. Außerdem heißt es nicht nur 'rette sich wer kann', sondern es will auch an Morgen gedacht werden. Da geht dann nämlich traditionell die Sonne auf, während sich die Eigentumswohnung irgendwo 30 bis 30.000 Meter unter dem Meer befindet. Was Neues auf dem Festland muß her, die alte Couchgarnitur war eh schon so schäbig. Und das kostet.
Wie praktisch, das auf den Pappwegeteilen Schätze liegen. Die brauchen wir nur aufzusammeln. Die Atlanten sind da allerdings etwas brutal und reißen gleich das ganze Wegstück raus. Und da drunter ist Wasser (früher oder später). Wasser stellt ein Hindernis für alle hintenliegenden Atlanten dar. Gibt ja nasse Füsse. Aber auch schon zu Zeiten der Atlanten gab es Brücken. Sogar für jeden Spieler eine. Im praktischen Taschenformat, leicht zu transportieren und ausklappbar. Egal wie breit der Graben wird, die Brücke passt. Blöd nur, das dann auch die Mitspieler darüber gehen. Eine Brücke ist allerdings schnell verbraucht. Also gut überlegen wann wir sie einsetzen. Sparen bringt auch nichts, am Spielende ist sie wertlos. Alternativ schmeißt man Schätze oder Handkarten ins Wasser, dann kann man den Graben auch überwinden. Kostet wie gesagt allerdings.
Da wir schon im Gehen sind, hier noch mal kurz wie das funktioniert. Auf den Plättchen sind farbige Schätze. Passend dazu haben wir farbige Handkarten. Handkarte ausspielen und auf das nächste gleichfarbige Feld. Wie bei Cartagena. Nur das besetzte Felder nicht übersprungen werden, sondern kurz besucht werden (Schnell Klatsch und nen Kaffee), um dann sofort mit einer weiteren Karte wegzuziehen. Cartagena. Ja, aber es gibt Anleihen an ein weiteres Spiel. Big Points. Denn wir nehmen uns das Schatz-Wege-Plättchen, das genau hinter dem liegt, auf dem wir landen. 1-7 sind die Werte und 7 wollen wir alle. Da heißt es planen und überlegen.
Also langsam vorankriechen und alles einsacken was geht? Nein. denn a) könnte das bei viel Wasser teuer werden und b) gibt es einen Anreiz zum Sprint in Bezug auf den Kartennachschub. Es gibt immer eine Karte. Außer einer unserer 3 persönlichen Atlanten ist schon am Strand. Dann gibt es 2 Karten. Was nicht uninteressant ist da a) mehr Auswahl und b) jede Karte am Spielende 1 Punkt wert ist. Bei 2 trockenen Atlanten gibt es schon 3 Karten. Sind alle 3 Atlanten eines Spielers angekommen, gibt es einmalig 4 Karten und das Spiel ist aus. Nun müssen alle anderen Atlanten noch für zu überbrückendes Wasser zahlen, dann werden die Siegpunkte aus Schatzplättchen und Handkarten ermittelt.
Tja,ich muss es wieder tun. Sorry. Atlantis ist nett . Ich kann ja auch nichts dafür. Es macht nunmal wesentlich mehr Spaß als Schiffe versenken, kommt aber nicht an Cartagena heran. Wobei das auch schwer ist. Cartagena ist ein Spitzenspiel, wenn nicht gar ein Ausnahmespiel. Weltklasse. Atlantis ist halt nett. Es gibt genügend Dinge zu bedenken. Es macht Spaß Schatzplättchen zu raffen. Jaaaa! Mehr! Nein, wirklich große Emotionen kommen eigentlich nur auf, wenn man 10 Handkarten hat und trotzdem keine einzige dunkelgraue, die man gerade braucht. Grrr. Dabei habe ich doch gerade von der Option Gebrauch gemacht, ein Schatzplättchen gegen Handkarten zu tauschen. Trotzdem - nichts. Ansonsten wird einem mal ein Plättchen vor der Nase weggeschnappt oder ein teurer Graben entsteht, die Emotionen bleiben doch eher flach. Was jetzt nicht gleich heisst- mieses Spiel. Eher ruhiges Spiel. Solide Kost, gute Unterhaltung, flott gespielt aber weder ein Must-have noch ein Dauerbrenner.
Wertung Sarah: 6 von 10
Wertung Jens : 6 von 10
Atlantis, Leo Colovini, Amigo Spiele, 2-4 Spieler, 2009, ab 10 Jahren
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