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Geschrieben von Sarah Kestering   
brass1"Hier spricht Edgar Wallace. Es ist nicht alles so wie es scheint. Der Mörder ist immer der Gärtner. Der hat nämlich ein Verhältnis mit der Mutter des Butlers und außerdem beim Mau Mau betrogen, das heutzutage aber nicht mehr Mau Mau sondern Uno heisst. Sonntag gibt es Pflaumenkuchen. Ende der Durchsage". Das kann ich so nicht stehenlassen.  1. hat der Butler gar keine Mutter und ist im Waisenhaus der gesalbten Schwestern aufgewachsen. 2. es ist gar keine Pflaumensaison 3. so leid es mir tut, lieber Edgar, es geht ausnahmsweise nicht um dich, sonden um MARTIN Wallace und sein Spiel Brass, auch wenn du berühmter bist. Mau Mau ist auch berühmter als Brass. Und das wird sich wohl nicht ändern.
Mau Mau hat Brass gegenüber ein paar unumstreitbare Vorteile. Es ist schneller gespielt und vor allen Dingen - die Regeln sind viel kürzer und VIEL einfacher zu verstehen. Brass zu erklären ist schlicht und einfach ein Alptraum. Ich musste das einmal tun. Und das anschließend niemand so wirklich wusste was er tun soll, war klar. Aber das lag noch nicht einmal an meiner Erklärung. Es ist einfach unheimlich schwer, auch für Vielspielerfreaks, das Spiel zu erfassen. Wenn am Ende dieses Textes ihr lieben Leser also nix kapiert habt, dann ist das nicht zwingend meine Schuld. Eure aber auch nicht. Abhilfe schafft da nur eine Partie Brass. Erst dann und wirklich erst danach kapiert man so ungefähr, worum es geht. Nicht unbedingt wie man gewinnt, aber wie man es spielt.
 
So ich winde mich wie ein Aal, aber ich muß es trotzdem versuchen. Also optisch ist Brass nicht viel hübscher als Mau Mau. Das Spiel, Sarah, das Spiel! Jaaaaa, gleich, ich komme noch dahin! Also die Großmutter, .... ja is ja gut. Also der Plan zeigt einen Teil Englands. Nicht sehr hübsch, aber übersichtlich. In England gibt es Städte. Diese haben Bauplätze für Industrien. Wir wollen Siegpunkte einsammeln und müssen dazu in diesen Städten bauen. Diese Städte sind aber keine isolierten Biosphären. Sie sind durch ein Netz von Kanal- und Eisenbahnlinien verbunden. Das Spiel ist in eine Kanalbauphase und eine Eisenbahnphase unterteilt. Brass hat Karten, also genau wie Mau Mau. Die Spieler starten mit etwas Geld und ein paar Handkarten. Pro Karte kann eine Aktion ausgeführt werden. Meistens ist es egal was für eine Karte wir spielen, aber nicht immer.
 
Brass 2Eine Aktion kann zum Beispiel der Bau einer Industrie sein. Hier sind die Karten nicht egal. Denn um eine Industrie zu bauen, gibt es 2 Möglichkeiten. Entweder wir haben eine Karte, die die passende Stadt zeigt, dann  ist alles in Butter. Oder wir haben diese Karte nicht. Dann können wir eine Karte spielen, die die Industrie zeigt, die wir bauen wollen. ABER. Das geht dann nur, wenn wir bereits eine Verbindung zu dieser Stadt haben. Im Kanalzeitalter also einen Kanal. Die passenden Karten auf der Hand zu haben ist also nicht uninteressant. Hier ist ein kleiner Glücksfaktor vorhanden, der aber nicht stört. 
 
Wir können als Aktion also auch eine beliebige Karte abwerfen, Geld bezahlen und einen Kanal bauen. Dieser erleichtert uns zum einen das bauen, hilft uns für höherwertige Industrien Kohle und Erz ranzuschaffen und bringt am Ende der Kanalbauphase Siegpunkte. Dann vergammeln die Kanäle, werden vom Plan genommen und wir dürfen wieder von Vorne anfangen. Denn im Eisenbahnzeitalter bauen wir ein Schienennetz.
 
Wir können als Aktion wiederum eine beliebige Karte wegwerfen und uns entwickeln. Also unsere Pubertät hinter uns lassen....  wir entwickeln unsere Industrien. Am Anfang sind diese noch primitiv. Wir müssen sie aber in der richtigen Reihenfolge bauen. Das ist zum Teil eher hinderlich. Gut das wir beim entwickeln bis zu 2 altmodische Indurstrieplättchen wegwerfen können und damit Zugriff auf die besseren, aber auch teureren, aber auch siegpunktträchtigeren Industrien bekommen. Da am Ende der Kanalbauphase sogar unsere Stufe 1 Industrien, die wir mühsam gebaut haben, schonungslos vom Plan und aus dem Spiel fliegen und wir fortan nur noch 2er und höhere Industrien bauen dürfen, tut Enwicklung also not. 
 
Einige dieser Industriegebäude stellen weitere Ansprüche, Brass 3da werden zum Bau Kohle und oder Erz benötigt. Woher nehmen? Hat die Stadt in der wir bauen eine Verbindung zu einem Hafen, können die benötigten Materialien gekauft werden. Sehr interessant ist aber folgendes. Erz und Kohle können auch aus einer gebauten Zeche oder Eisenhütte per Verbindung in die Stadt gekarrt werden. Hierbei dürfen wir uns auch aus fremden Zechen oder Hütten bedienen. Und meist haben die Besitzer noch nicht mal was dagegen. Sind Zeche oder Hütte leer, werden sie umgedreht. Dies bringt dem Besitzer höheres Einkommen und Siegpunkte. Er ist also durchaus daran interessiert, sein Zeug unters Volk zu streuen. Also sollte man gucken, wo was gebraucht wird, um schnell an Siegpunkte und vor allen Dingen erstmal Einkommenssteigerung, durch Zeche oder Hütte zu kommen.
 
Als eine weitere Aktion kann eine Baumwollmanufaktur aktiviert werden. Wieder eine beliebige Karte abgeben und dann mit Hilfe eines Hafens oder ferner Märkte die Baumwollindustrie umdrehen, die dann Siegpunkte bzw. eine Erhöhung des Einkommes bringt. Wenn wir hierfür einen Hafen umdrehen, bekommt der Besitzer des Hafens wiederum Siegpunkte und Einkommen. Es gilt also auch immer zu gucken wer gerade was wo baut. Hierbei ist die Spielerreihenfolge manchmal wichtig, sonst wird einem ein guter Plan durchkreutzt. Die Spielerreihenfolge richtet sich nach den eigenen Ausgaben pro Runde. Wer am sparsamsten ist, ist in der nächsten Runde Startspieler. Am Ende jeder Runde gibt es Einkommen, in Höhe unserer Position auf der Einkommensleiste, auf der wir ja durch das Umdrehen von Industrieplättchen vorwärts kommen. Trotzdem, manchmal reicht es vorne und hinten nicht. Sind wir blank, kommt ein netter Bankangesteller mit einem toll bunten Prospekt vorbei und schwatzt uns einen Kredit zu sagenhaft günstigen 17,8% auf. Naja, ganz so funktioniert das nicht. Kreditaufnahme kostet eine Aktion, also wieder eine beliebige Karte dafür ablegen und wir bekommen je nach Wunsch 10, 20 oder 30 Pfund. Der Haken? Wir rutschen auf der Einkommenleiste zurück. Wo es doch so mühsam war, dort empor zu klettern. Das Leben ist hart. Und Brass erst recht. Im Grunde ist Brass gar nicht so kompliziert. Das was uns erst zu schaffen macht, sind die vielen Abers, die vielen Details, die es zu beachten gilt und die ich hier aussen vor gelassen habe.  
 
Brass 4Brass ist sehr kopflastig und sehr trocken. Sogar ein Spieler der Kategorie Hardcorevielspielerwannspielenwirwieder10stundenasl war es zu wenig interaktiv und trocken. Ich finde Brass Spitze. Wenn ich da auch noch handeln sollte, wäre ich total überfordert. Brass fordert viel von den Spielern. Es gibt viel zu tun und egal was man macht, es wird Folgen haben. Brass überfordert in der allerersten Partie und ist dann leicht frustrierend. Auch die Regel ist nicht gerade optimal, um es nett auszudrücken. Zum einen ist das Nachschlageregister am Ende der Regel übersetzt worden, ohne dabei allerdings die alphabetische Sortierung anzupassen. So ist die Sortierung Zechen, Kombiaktion, Verbindung beim Suchen nicht gerade hilfreich. Auch ist die Regel teilweise echt überkompliziert formuliert. Beispiel aus der Regel: "Ein Paar Aktionen besteht daraus, eine Karte zu spielen und damit eine Aktion auszuführen, direkt anschließend eine zweite Karte auszuspielen und damit eine zweite Aktion auszuführen." Übersetzt: Mit Hilfe von 2 Karten, 2 Aktionen ausführen. Aber wozu einfach, wenn es auch umständlich geht. Fairerweise muß man aber auch sagen das Brass nun wirklich nicht einfach zu erklären ist, ich würde da auch keine Regel zu schreiben wollen.
 
Wer es also schafft, sich durch die Regel zu kämpfen, eine erste Hä?-Partie zu durchstehen, der wird anschließend belohnt. Es gibt viel auszuprobieren und viel zu bedenken. Es ist auf alle Fälle gut, sich schnell zu entwickeln und Industrien zu bauen, die die Kanalphase überdauern. So ist man dann in der Eisenbahnphase flexibler. Aber auch ein gutes Netz bringt Siegpunkte und Flexibiliät. Oder lieber erstmal schnell ein paar Billigindustrien hochziehen, um das Einkommen schnell zu verbessern? Geld ist schließlich knapp und wichtig. Brass ist ein Spiel bei dem die Spieler nach dem Spiel noch am Tisch sitzen und diskutieren was sie hätten besser machen können. Das zeigt, wie sehr Brass zu fesseln mag. Was mich alleridngs stört, sind die zum Teil ewigen Wartezeiten zwischen den einzelnen Spielzügen. Da passt doch fast noch eine Partie Mau Mau dazwischen. 
 
Es ist nicht alles so, wie es scheint. Brass mag unscheinbar aussehen, ist aber ein spielerischer Leckerbissen für Freaks.
 
Brass, Martin Wallace, 2008, 3-4 Spieler



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