Ich bin ja ein begeisterter Flohmarktschnäppchenjäger. Und das jetzt nicht wegen der Spiele. An Spielen habe ich dort bis jetzt meist nur Titel entdeckt wie Vorsicht Lehrer, Mississippi Queen oder Drachenreiter. Also Spiele, die wirklich niemand spielen mag. Oder jedenfalls fast niemand. Natürlich habe ich auf Flohmärkten auch schon tolle Spiele gefunden.
Wie Jockey oder Pfeffersäcke. Aber ich kaufe nicht immer Spiele auf Flohmärkten. Und das ist das Spannende. Irgendein Schnäppchen finde ich immer, nur weiß ich vorher nie was das sein wird. Ob ich wie letztens eine Gießkanne kaufe, die ich gerade brauchte oder Airwulf Kassetten, oder oder oder. Also ein Spiel mit Flohmarktthema hat mich auf alle Fälle gleich angesprochen. Auch wenn ich ehrlich gesagt noch nie was vom Portobello Market gehört hatte....
Ich kenne da eher den Achtruper Flohmarkt, den Lecker Hauptstrassen Flohmarkt, die Aachener Markthallen, Flensburg Exe oder dieser total tolle Flohmarkt in Rheine. Aber ich sehe ein, das sich ein Spiel mit dem Titel 'Flensburger Exe Flohmarkt' vielleicht nicht so super verkauft. Außerdem spielt das Spiel 1921 und da weiß ich jetzt nicht, ob es die oben genannten Flohmärkte schon gab....
Also dann halt der Portobello Market in London 1921. Auch gut.
So als erstes mache ich mir mal ein paar Feinde. Ich mag den Spielplan nicht leiden. Ich gebe es zu. Und da die Spielerwelt beschlossen hat, das dieser wunderschön ist, habe ich mir also wieder neue Feinde gemacht. Ich finde nämlich nicht, das alles von Michael Menzel, dem IN - Grafiker der Spieleszene, automatisch wunderschön ist. Die Säulen der Erde fand ich sehr hübsch und eines der schönsten Spiele überhaupt ist für mich Celtica. Aber Portobello Market ist einfach etwas düster, einfallslos und langweilig. Vielleicht waren 1921 die Flohmärkte ja so, aber ich verbinde mit Flohmärkten halt was anders.
So, nun aber vielleicht mal zum Spiel selbst. Das ist ziemlich einfach. Wir versuchen möglichst viele Punkte, durch das platzieren von Ständen und Anlockung von Kunden zu erreichen. Der Spielplan zeigt Londoner Gassen, die in einzelne Stellplätze fuer Flohmarktstände unterteilt sind. Diese haben unterschiedliche Werte. Jede Gasse wird von 2 Plätzen begrenzt. Hier werden die Kunden plaziert. Diese sind je nach Farbe auch unterschiedlich ertragsbringend. Bin ich am Zug, habe ich 2 Möglichkeiten, meinen Spielzug zu nutzen. Ich kann Stände errichten oder halt Kunden platzieren. Wir haben Plättchen vor uns liegen, die zu Spielbeginn die Zahlen 2 - 4 zeigen. Diese geben an, wieviele Aktionen uns in diesem Zug zur Verfügung stehen.
Das Aufstellen eines Marktstandes ist denkbar einfach. Ich nehme einen Marktstand aus meinem Vorrat und platziere ihn in einer Gasse. Dabei müssen 2 Dinge berücksichtigt werden. Zum einen muss der Bobby im Bezirk zugegegen sein. Der ist wohl aus dem gleichen Grund da, weswegen man sich gegen den Titel 'Flensburger Exe Flohmarkt' entschieden hat. Im richtigen Leben gibt es doch immer diese wichtigtuerischen, meist schmierigen, staatlich geprüften Flohmarktstandzuweiser, die immer alles voll im Griff haben. Naja, da macht sich ein Bobby halt doch besser. Das sehe ich durchaus ein. Um den Bobby im Bezirk zu haben, bewegen wir ihn einfach dorthin. Das kostet keine Aktion, kann aber durchaus Siegpunkte kosten, die eventuell an Mitspieler abzugeben sind. Dies hängt von den Mehrheitsverhältnissen in den zu überquerenden Gassen ab. Zum anderen müssen wir unseren Stand an einem der Enden der Gassen errichten. Steht da schon einer, müssen wir benachbart bauen.
Ein Kunde wird plaziert, indem man ihn zuerst unbesehen aus einem Beutel zieht und dann auf einen beliebigen Platz stellt. Die Kunden wirken als Multiplikatorfaktor, um die Punkte einer vollendeten Gasse festzulegen. Hierbei gibt es bessere und schlechtere Kunden. Also diejenigen, die bei 6 originalverpackten Geschirrhandtüchern für 50 Cent noch handeln wollen und solche die nett sind, nicht nerven und zahlen. Die Netten stellen wir dabei natürlich so, das sie an Gassen grenzen, in denen wir reichlich vertreten sind, die weniger netten zu den lieben Mitspielern.
Eine Möglichkeit an sehr viele Punkte zu kommen, ist die Distriktwertung. Hierzu lege ich eines meiner Aktionsplättchen in einen Distrikt (Platz, der von 3 Gassen eingegrenzt wird) und erhalte für den weiteren Spielverlauf ein niedrigeres Ersatzaktionsplättchen. Die Anzahl der eigenen Marktstände in diesem Distrikt werden nun mit der Zahl auf dem Aktionsplättchen multipliziert. Das gibt ordentlich Punkte, da man natürlich einen Distrikt auswählt, in dem man möglichst zahlreich vertreten ist.
Hat ein Spieler alle seine Marktstände gesetzt, geht das Spiel dem Ende entgegen. Nun kann noch als 10., besonderer Kunde, der vermögende Lord auftauchen. Für ihn bekommt man dann noch Punkte für unvollendete Gassen, an deren Platz er steht. Vielleicht ist der Lord ja so reich, weil er immer erst dann kommt, wenn der Markt zu Ende ist. Dann haben die Verkäufer eventuell keine Lust mehr den Krempel wieder einzupacken und er kann sich dann noch ein paar gregorianische Wandteppiche für einen Apfel und ein Ei (natürlich aus biologischer Landwirtschaft) kaufen.
Portobello Market hörte sich für mich nach einem Klassespiel
an. Einfache Regeln wie bei Zug um Zug und doch einige taktische Möglichkeiten. Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Distriktwertung? Baue ich nur Marktstände und verschwende keinen Zug, um Kunden zu ziehen? Aber dann stellen mir die Mitspieler nur Strauchdiebe als Kunden an meine Gassen. Auch nicht gut. Natürlich versucht jeder nur auf den punkteträchigsten Plätzen einer Gasse zu bauen. Zu dumm, das die Mitspieler die gleiche Idee haben. Also lauter kleine taktische Überlegungen. Und ich war voller Vorfreude auf dieses Spiel. Leider stellte sich dann die grosse Enttäuschung ein. Zu Zweit irre langweilig. Soll das alles sein? Naja, probieren wir es doch mal mit 3 Spielern. Resultat von allen Dreien: boh, wat langweilig. Ich habe es dann unter viel betteln noch ein paar Mal auf den Tisch bekommen, aber auch ich musste mir eingestehen, da nützt auch das tolle Thema nichts. Denn im Grunde ist das Spiel abstrakt (und war erst ein Eisenbahnspiel bevor es zu Flensburg Exe - äh - Portobello Market wurde). Aber zu Dritt ist es immerhin besser als zu Zweit. Durch die in der Spielregel angegebenen Variante mit offenen Kunden gewinnt es leicht. Trotzdem, Portobello Market ist so spannend wie Kühlschrank puzten (Obwohl das durchaus spannend sein kann, kommt halt darauf an, WIE lange dieser nicht mehr gesäubert wurde...)
Was stört mich denn genau an Portobello Market? Es hat keinen Spannungsaufbau, es plätschert vor sich hin. Alle Spieler unterhalten sich über anderes und sind erleichtert, als es zu Ende ist. Soviel Einfluss wie wir erst dachten, hatten wir nicht. Und für ein Spaßpiel, ist es einfach zu trocken. Die Spieldauer ist eigentlich angenehm kurz, wurde bei uns aber immer noch als zu lang empfunden. Portobello Market funktioniert zwar, kann aber nicht überzeugen. Zug um Zug werde ich in 5 Jahren noch spielen, dann wird Portobello Market längst in Vergessenheit geraten sein und selber auf den Flohmarktständen landen. Schade, da gehe ich demnächst lieber wieder über den Exe Flohmarkt in Flensburg.
Wertung : 4 von 10
Portobello Market, Thomas Odenhoven, Schmidt Spiele, 2-4 Spieler.