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Maestro Leonardo

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Maestro Leonardooder: echte Männer gehen in den Keller. Echte Männer  reparieren nämlich alles was im Haushalt kaputt geht. Wie zum Beispiel mein Vater. Will der Geschirrspüler nicht mehr so richtig, macht er sich mutig, mit viel Werkzeug und noch mehr Isolierband ausgestattet, an die Arbeit. Unnötig zu sagen, das wir anschließend einen neuen Geschirrspüler brauchten...

Gucke ich in den Kleiderschrank meines Mannes, frage ich mich jedesmal - warum bügel ich eigentlich? Da wird was rausgerissen und wahllos wieder reingestopft. Wenn ich hingegen mal einen Nagel in die Wand haue, wird anschließend genauestens kontrolliert ob ich den guten Hammer auch in das korrekte Fach des mit Ball Bearing gelagerten Profiwerkzeugwagens einräume. Da ist Ordnung dann plötzlich lebensnotwendig. Was machen Männer eigentlich mit dem ganzen Werkzeug? Gut, ab und an mal irgendwas mehr oder minder reparieren, aber sonst? Werkzeug ist heilig und lebensnotwendig. Egal was es ist.

Wir haben da beispielsweise ein Spezialwerkzeug für die Räder Maestro Leonardovon einem 1984er Oldsmobile. Das kann man wirklich nur dafür verwenden. Trotzdem, das muß bleiben, kann man ja vielleicht noch mal gebrauchen. Genauso wie die Kabelreste und  198 Einzelschrauben. Werkzeug, Keller, das ist Urtrieb. Und das war schon immer so. Aber nicht alle Männer haben es dabei belassen, gelegentlich einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren. Da waren auch solche, die haben in ihrem Keller Geschirrspülmaschinen, Mausefallen und Glühbirnen erfunden!


Einer von diesen Kellermenschen war Maestro Leonardo, wie wir ihn mal nennen. Gut, er hat nicht gerade die Geschirrspülmaschine, eine der bedeutensten Erfindungen der Menschheit erfunden, aber immerhin. Ein Biegsames Tarnfernrohr, ein unsichtbares Schiff oder auch eine unpassierbare Mauer würden jeden Yps- Heft - Leser glücklich machen.

Maestro LeonardoMit Maestro Leonardo gehen auch wir in den Keller und versuchen durch emsiges basteln, sägen und schrauben zum genialsten Erfinder der Renaissance zu werden. Und am genialsten ist natürlich derjenige, der seinen Balgenventilator für viel Geld an den König oder sonst einen Dummen verscheuert. Denn, es ist wie immer, es zählen nur die inneren Werte, die inneren Werte unseres Geldbeutels. Der reichste Spieler gewinnt.

Zu Anfang bekommen wir als Erfinderstartkapital einen oder zwei mehr oder minder gut ausgestattete Keller. Die Keller heißen im Spiel allerdings Labor. Wir haben 1 Meister und ein paar Lehrlinge an unserer Seite, wenn es darum geht aus einer Handvoll Materialien und ein paar Gulden, bahnbrechende Erfindungen umzusetzen.

Erfindungen gibt es in 3 Kategorien, die unterschiedlich viel Gulden einbringen, aber auch unterschiedlich viel Materialien und Arbeitswochen erfordern, um sie fertigzustellen. Weiterhin gibt es 5 Arten von Erfindungen. Diese unterscheiden sich durch kleine Symbole. Diese stellen Erfahrung dar. Habe ich schon eine ähnliche Erfindung vollendet, also eine mit dem gleichen Symbol, habe ich gelernt und brauche dann für weitere Erfindungen der gleichen Art weniger Arbeitswochen. Das ist praktisch. Auf der anderen Seite aber, wird Vielfältigkeit der gesammelten Symbole am Spielende mit Gulden belohnt.

Das Spiel geht über 9 Runden und ist in die Phasen A - D unterteilt. Maestro LeonardoIn Phase A können wir uns heimlich für den Beginn an der Arbeit einer Erfindung entscheiden. Die Erfindungen liegen für alle sichtbar auf dem Spielplan, aber immer nur ein paar. Neue rücken nach, sobald alte abgearbeitet sind. Ich entscheide mich also im Geheimen und lege dann die benötigten Materialien ganz heimlich unter mein Labor. Also das Isolierband, die Dübel und etwas Teppichkleber.  Quatsch - Metall, Glas und so weiter natürlich.

Wer A sagt, muß auch B sagen. Und so schicken wir nun unseren Maestro LeonardoMeister und die Lehrlinge in den Baumarkt, nein in die Stadt. Der Spielplan, die Stadt ist nett ausgedrückt mal gestalterisch etwas anderes. Ehrlich ausgedrückt finde ich sie ziemlich scheußlich. Aber wenigstens übersichtlich ist er, der Spielplan. Bessere Laboratorien, Gulden, Materialien, Lehrlinge, mechanische Menschen und andere Vergünstigen stehen hier zur Auswahl. Mechanische was? Mechanische Menschen, also Renaissanceroboter, sind wie Lehrlinge, nur das wir sie nur auf bestimmten Plätzen in unserem Labor einsetzen können. Die normalen Lehrlinge und der Meister können beides. Sie können in die Stadt und dort Dinge für uns besorgen oder aber sie gehen an die Werkbank ins Labor und tüfteln weiter an der aktuellen Erfindung.

Die Wahl fällt nicht leicht. Haben wir diese getroffen, beginnt die Phase C. C wie Kaufrausch oder eher C wie Auswertung. Die Stadt wird nun der Reihenfolge nach abgearbeitet, Feld für Feld. Wer die Mehrheit an Leuten hat, bekommt die Begünstigung kostenlos, danach wird sie immer teurer. Dann wird geschraubt. Für Lehrlinge, Meister und mechanische Menschen wird der Arbeitszeitanzeiger auf dem eigenen Labor weitergesetzt.

Nach getaner Arbeit landen wir in Phase D. Haben wir in unserem Labor die erforderliche Arbeitswochenanzahl erreicht, ist die Erfindung fertig. Wir zeigen die Rohstoffe vor und enthüllen somit, woran wir gearbeitet haben. Waren wir alleine damit zu Gange, sacken wir Gulden und Karte ein. Haben mehrere Spieler die gleiche Erfindung fertiggestellt, gibt es etwas weniger Gulden und die Karte wird versteigert. Künstlerpech.

Maestro LeonardoDie letzten beiden Runden unterscheiden sich von den vorhergehenden. Es wird nur noch an den Erfindungen gearbeitet, in die Stadt entsenden wir niemanden mehr. Das ist nicht ganz so schön, aber irgendwie und irgendwann muß die Erfinderei ja mal ein Ende haben. Das kommt aber immer irgendwie zu früh. Klar wir wissen es ja, 9 Runden, aber trotzdem. War zu Anfang alles knapp uns schwierig, fängt es doch gerade an besser zu laufen und richtig Spaß zu machen. Gemein. Andererseits ist das Spiel auch so schon mit seinen 60 bis 90 Minuten lang genug.

Hübsch ist es ja nicht, aber das ist unser Keller ja auch nicht. Auf die inneren Werte kommt es an. Maestro Leonardo ist ein gutes Spiel, aber nicht mein Lieblingsspiel. Vom Spielgefühl ist es Caylus und den Säulen der Erde ähnlich, wobei es nicht an diese Titel heranreicht. Die Säulen der Erde haben sicherlich einen enormen Wettbewerbsvorteil durch die atemberaubende Grafik, aber auch spielerisch fühlt sich Maestro Leonardo noch starrer an. Um wieder auf den Keller zu kommen, kalt fühlt es sich an. Tüftler kommen aber sicherlich nicht zu kurz. Zu Zweit bleibt die Stadt genauso groß. Von daher kommt man sich nicht so sehr in die Quere. Daher ist es ab 3 Personen besser, mit 5en schon bös hart. Wie gesagt kein schlechtes Spiel. Viele schwere Entscheidungen, Mangel überall, ein ganz gutes Vielspielerspiel.

Wertung: 7 von 10

Maestro Leonardo, Acchittocca, dV games - Abacus Spiele, 2 - 5 Spieler, ab 12 Jahre, 60 - 90 Minuten, 2006
 
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