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Im Jahr des Drachen

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Im Jahr des DrachenChinesischer Fürst stellt ein: Suche Fachkräfte: Handwerker, Hofdamen, Feuerwerker, Steuereintreiber, Krieger, Mönche, Heiler, Bauer und Gelehrte. Palast wird gestellt. Erfahrungen in den Bereichen Hunger, Dürre und Krankheiten vorausgesetzt. Wir stellen gerne auch ältere, erfahrenere Mitarbeiter aber auch Berufsanfänger ein. Gutes Siegpunktzeugnis erwünscht. Chiffre: CH- 34777209.

Hmmm, wenn da man nicht was faul ist! Richtig, Im Jahr des DrachenArbeiten für die chinesischen Provinzfürsten in diesem Spiel ist kein Zuckerschlecken. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, das fieses Mobbing an der Tagesordnung sei. In der Kantine gibt es nur Reis und das auch nur wenn man Glück hat. Manche der gestellten Paläste sind baufällig, die medizinische Versorgung lässt zu wünschen übrig und Mongolenüberfälle drohen auch noch.
Tja, um es gleich zu sagen. Im Jahr des Drachen ist nichts für Weicheier und Turnbeutelvergesser. Im Jahr des Drachen ist knallhart. Jeder Spieler präsentiert einen chinesischen Provinzfürsten, natürlich mal wieder irgendwie vor langer Zeit und versucht Siegpunkte zu bekommen, um zu gewinnen.

Im Jahr des DrachenUnd Fürst sein ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Ein paar popelige Münzen, 2 kleine Paläste mit gerade mal 2 Angestellten, sowie 11 Karten um weitere Angestellte anzuheueren und ein zahmer Hausdrache gehören zur Fürstengrundausstattung. Das ist mager, besonders wenn man auf den Spielplan schielt. Hier befinden sich nämlich neben Siegpunktleiste und Personenpunktleiste auch noch 12 Ereignisplättchen. Hiervon wird am Rundenende je eines ausgeführt. In den ersten 2 Runden, in der Ruhe vor dem Sturm, geschieht nichts. Und das ist schön. Denn dann folgen Runde für Runde Mongolenüberfälle, Dürre, Krankheit oder es wird ein Tribut an den Kaiser fällig. Nur selten passiert auch mal was Gutes, wie ein schönes Feuerwerk. (Damals hat sich ja noch keiner um Umweltschutz gekümmert.). Jedenfalls sehen wir schon zu Beginn des Spiels was denn da auf uns zukommt.

Sind die fürstlichen Mitspieler trotzdem nicht schnell weggerannt, Im Jahr des Drachenkann das Spiel beginnen. Und zwar wie in jeder Runde mit der Aktionsphase. Es werden Karten gemischt und je nach Spieleranzahl aufgeteilt. Und nun kommen die Drachen ins Spiel. Der Spieler, der auf der Personenpunktleiste vorne steht, beginnt und setzt seinen Drachen auf eine beliebige Karte oder ein beliebiges Kartenpaar. Nun führt er eine Aktion aus. Da können Paläste gebaut, Steuern eingenommen, Reis geerntet, Feuerwerkskörper gesammelt, Priviligien gekauft, auf der Personenpunktleiste vorgerückt und Siegpunkte einkassiert werden. Viele, viele Möglichkeiten? Tja und wir befinden uns immer noch in Phase 1!

Jeder Spieler kann eine Aktion kostenlos ausführen. Außer, da steht schon der Drache eines Mitfürsten. Dann wird es teuer, 3 Yuan kostet es, möchte man ebenfalls diese Aktion ausführen. Es ist also durchaus von Vorteil Startspieler zu sein. Aber dazu muß ich ja auf der Personenpunktleiste vorne liegen. Und wie geht das? Abwarten, die Phase 2 kommt so gleich.

Im Jahr des DrachenIn der Phase 2 müssen nun alle Spieler jeder eine Personenkarten spielen. Die entsprechende Person wird dann eingestellt, sprich kommt in einen der Paläste. Und damit es dort nicht zu voll darf pro Stockwerk nur eine Person eingestellt werden. Hmm, also brauchen wir dann ja dringend Handwerker, um neuen Wohnraum zu schaffen. Aber wie das bei dieser Art von Spielen nun mal so ist, sind alle Personen irgendwie wichtig und wir brauchen eigentlich alle ganz, ganz dringend. Das ist bis hierher schon alles spannend und voll mit Entscheidungsnöten. Aber Herr Feld hat sich gedacht, ha, da setzen wir noch einen drauf! Jede Person hat 2 Eigenschaften. Zum einen zeigt sie ein Symbol das irgendeine Art von Nutzen bringt. Beispielsweise einen Mörser beim Heiler. Dann zeigt sie noch eine Zahl. Diese Zahl bringt uns auf der sehr wichtigen Personenpunktleiste voran. Immer stecken wir in einer Zwickmühle. Nehmen wir den Heiler, der nur einen Mörser hat und damit nur eine Person heilt, aber uns 4 Punkte auf der so wichtigen Leiste vorbringt? Oder lieber den, der 2 Personen heilt und dafür uns aber nur 1 Punkt auf der Personenpunktleiste voranbringt? Das Hirn qualmt, Rauchschwaden der Nachdenklichkeit ziehen über dem Spieltisch auf.

In der 3. Phase gibt es nicht so viel zu überlegen, den jetzt dürfen Im Jahr des Drachenwir die Suppe ganz einfach auslöffeln. Das Ereignis tritt ein. Diese sind wie gesagt nicht gerade nett. Nur mal ein Beispiel. Weil wir ja gerade schon mal den Heiler hatten, hier nun das Ereignis: Krankheit. Jeder verliert 3 Personen. 3 Personen sind ein herber Verlust. Zum einen ist jede Person am Spielende 2 Siegpunkte wert, zum anderen ist die Person aus dem Spiel. Wir haben zwar 2 Joker zum anwerben der Personen, aber ansonsten kriegen wir die unter Umständen nicht wieder. Mist. Glücklich ist, wer sich da rechtzeitig um freie Heilfürsorge gekümmert hat. Pro Mörsersymbol auf unseren Heilerplättchen stirbt eine Person weniger. Wer also 3 Mörser hat, verliert niemanden. Uff! Aber dafür haben wir ja vorher auch bezahlt, konnten eventuell nicht so weit auf der Personenpunktleiste vorwärts. 6 verschiedene Ereignisse gibt es, je 2. Und meistens bekommen wir in irgendeiner Form eins auf den Deckel. Klar man kann versuchen sich gegen alles zu schützen, aber dann verausgaben wir uns völlig. Und so nebenbei sollte man auch noch ein paar Siegpunkte auf die Seite schaffen. Ich kann halt pro Runde nur entweder einen Gelehrten, der mir Siegpunkte bringt einstellen oder eben einen Heiler oder Bauern oder Hofdame oder Krieger. Kniffelig.

ABER. Natürlich, da kommt noch was. Richtig die Runde ist noch nicht fertig. Herr Feld meint es mit uns armen Fürsten wirklich nicht gut. Verfall! Sind durch was auch immer für Katastrophen einige unserer Paläste unbewohnt, so bröckelt da mal eben das oberste Stockwerk weg. Plumps. Wieder ärgerlich. Warum? Zum einen ist das Wohnraumminimierung. Zum anderen bekommen wir für jeden Palast am Ende einer Runde einen Siegpunkt. Vorausgesetzt natürlich er steht noch und hat diese Runde irgendwie überstanden, was natürlich nicht der Fall ist, wenn das letzte Stockwerk gerade weggebröckelt ist.

Im Jahr des DrachenWir sind also am Rundenende angelangt. Es gibt noch Siegpunkte für vorher eingekaufte Privilegien und für Hofdamen. Hofdamen haben keinen anderen Nutzen außer diesen einen Siegpunkt pro Runde. Und trotzdem futtern sie Reis. Das muß man sich erstmal leisten können. Den Spielern steht also einiges bevor. 12 Runden dauert das Spiel, dann gewinnt der Fürst mit den meisten Siegpunkten.


Mir gefällt im Jahr des Drachen wirklich gut. Es ist zwar knallhart. Im Jahr des DrachenDagegen ist der Vorgänger Notre Dame fast ein Wochendspaziergang. Und so gab es auch 1, 2 Mitspieler, die Im Jahr des Drachen nicht mochten. Zu destruktiv, zu trocken. Diese Meinung teile ich nicht, möchte aber nur klar machen, das man sich da schon auf was einlässt, das strategisch und taktisch doch über TransAmerica hinausgeht. Ich habe Im Jahr des Drachen in einigen verschiedenen Runden getestet und immer passierte das gleiche. Alle waren erst mal erschlagen von den Möglichkeiten. Und auch ich fand es interessant wie andere an das Spiel herangehen. Ich bin er so der Typ der sich gegen alles versichert. Wer weiss, was da noch so kommt im Leben. Und auch im Spiel gehe ich eher auf Nummer sicher. Ich habe brav Reis eingelagert, Heiler eingestellt, ein paar Krieger zum Schutz und artig meinen Tribut an den Kaiser gezahlt. Und verloren. Bei dieser "sicher ist sicher" - Strategie vernachlässigt man zu sehr die Siegpunkte. In einer Partie hatte jemand dann die gegenteilige Strategie: wenig Wohnraum, hauptsache Siegpunkte. Das hätte sogar fast zum Sieg geführt, wenn die lieben Mitspieler nicht noch eingegriffen hätten.

Es reizt sehr in jedem Spiel was anderes auszuprobieren. Im Jahr des Drachen ist spannend. Es ist zwar auch grüblerisch, aber die Wartezeiten halten sich doch im Rahmen, da man seinen Zug im etwa vorausplanen kann. Natürlich muß man flexibel bleiben, diese Mitspieler halt, die stören manchmal doch sehr. Daher spiele ich Im Jahr des Drachen auch am liebsten zu Viert oder zu Fünft. Was jetzt aber nicht heißen soll, das es zu Zweit und zu Dritt schlecht ist. Auch in diesen Besetzungen, weiß das Spiel zu begeistern. Bei vielen etwas längeren Spielen wird man zwischendurch unaufmerksam oder abgelenkt. Hier bin ich so gefesselt, das die Zeit wirklich wie im Flug vergeht. Im Jahr des Drachen ist wirklich gelungen!

Wertung: 8 von 10

Im Jahr des Drachen, Stefan Feld, Alea, 2007, 2 - 5 Spieler, ab 12 Jahre, 75 - 100 Minuten
 
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