Ja: PEEP. Und damit habe ich mich ja mal wieder verraten. Richtig. Ich habe keine Lust das Spiel noch mal spielen zu müssen. Hier also das schnelle Kurzfazit vorweg: grottenschlecht, Finger weg, lieber ein ordentliches Spiel kaufen.
Und nun die Langfassung für alle, die es genauer wissen wollen. Also - Der goldene Kompass - Das Spiel zum Film. Oder auch das Spiel zum Film vom Buch oder so. Da schleicht sich doch schon ein schlechtes Gefühl ein. Das Spiel zum Film - also ein schnell gestricktes Merchandisingprodukt? Hmm, also so würde ich es auch nicht unbedingt sagen. Es wurde schon versucht, ein richtiges Spiel in die Schachtel zu kriegen. Nur ist das Spiel trotzdem schlecht.
Aber von vorne. Erstmal kann ich mit meiner allumfassenden Allgemeinbildung prahlen. Das Buch habe ich gelesen! (Und das obwohl keine Bilder drin sind).
Das Buch hat mir ganz gut gefallen. Zwar nicht so sehr wie Der Herr der Ringe, Narnia, Märchenmond oder der erste Harry Potter, aber doch wirklich schöne Fantasyunterhaltung.
Ziel des Spiels ist es, die meisten Siegpunkte abzustauben. Dazu wandert Lyra (die Heldin des Buches) in drei Etappen über den Spielplan. Am Ende jeder Etappe bekommen die Spieler Siegpunktplättchen. Dabei gibt es die höchsten Plättchen für den Spieler, der am Etappenziel die meisten seiner Kompassplättchen plaziert hat. Während der Reise sammeln wir in den ersten zwei Etappen verdeckt ausliegende Erfahrungsplättchen ein. Diese bringen am Spielende Siegpunkte. Aber nur wenn es uns gelingt, diese in der dritten Etappe wieder auf den Spielplan zu bringen. Eventuell bringt noch eingesammelter Sternenstaub Siegpunkte, das wird durch das Ziehen von Plättchen am Spielende bestimmt. Dann ist der Sternenstaub entweder richtig viel wert oder aber auch gar nichts. Hier wird eventuell der Spielsieg festgelegt und das einfach nur durch das Ziehen von Plättchen. Da rackert man sich fast eine Stunde ab und dann wird durch diesen Glücksgriff das Spiel entschieden. Nee, das ist nicht wirklich gelungen. Da können wir genauso gut einfach einen Sieger auswürfeln, das geht wenigstens schneller.
Zu Beginn des Spielzuges dreht ein Spieler den Alethiometer-Zeiger. Dieser fliegt dann auch mal gerne quer durchs Zimmer und dann gibt es etwas Bewegung, indem wir unters Sofa kriechen müssen. Also noch mal, aber etwas sanfter bitte.
Der Zeiger zeigt an den Enden je ein Symbol. Aus diesen beiden Symbolen darf der Spieler wählen. Bei einem roten Symbol erhält man Handkartennachschub und anschließend wird Lyra eventuell weiter bewegt. Fertig. Bei einem blauem Symbol wird zuerst dieses ausgeführt. Da bekommt man Sternenstaub, kann seine Personenkarte nutzen, kann Kompassplättchen auf das Etappenziel legen usw.. Anschließend dürfen wir Handkarten spielen. Durch diese sammeln wir in den ersten 2 Etappen Erfahrungskärtchen ein, bzw. legen diese in der dritten Etappe auf den Spielplan.
Es gibt noch einige Details mehr wie das Magisterium - Luftsschiff, die Personenkarten, Spionfliegenkarten, Joker usw.. Aber dies ist der grobe Ablauf, das soll reichen. Nun, es gibt also einige Regeldetails zu lesen und zu beachten. Ich bin doch durchaus interessiert an meine erste Partie gegangen. Zu Zweit. Nach ein paar Zügen fing Jens an, aus dem Fenster zu starren. Nach noch ein paar weiteren Zügen war es uns absolut egal wer gewinnt, hauptsache es ist bald zu Ende. Naja, neuer Versuch. Ein Spieleabend mit einem vielspielenden Ehepaar. Freudig lege ich den goldenen Kompass auf den Tisch. J. guckt entsetzt. Spielverweigerung. Das haben wir auf der Messe gespielt und das war ziemlich schlecht, bitte nicht, bekomme ich zu hören. Na gut, dann eben nicht. Nächster Versuch. Ich habe da ein spielerisch sehr unerfahrenes Ehepaar als Testgruppe. Hervorragend. Ja, es wird gespielt. Der Hund findet den davonfliegenden Kompasspfeil schon mal ganz klasse. S. muss dann unters Sofa klettern. In der ersten Spieletappe sind beide noch recht angetan vom Spiel. Am Ende der 2. Etappe sind dann auch hier Ermüdungserscheinungen zu beobachten. A. gähnt verstohlen und auch der Hund schläft mittlerweile in der Ecke. Am Anfang der dritten Runde ist A. Startspielerin. Sie hat 7 Handkarten (das ist das Limit) und schafft es, 3 Erfahrungsplättchen zu platzieren. S. plaziert 2 und ich kann aus Platzgründen nur noch eines platzieren. Und dann sammeln wir wieder nur Karten und bewegen dadurch Lyra weiter. Die Etappen sind in je 2 kleine Etappen unterteilt. A. und S., die ihre Handkarten wieder aufgestockt haben, machen auch in Etappe 3.2 die Plätze voll, ich schaue in die Röhre. Super, ich sitze also an falscher Stelle in der Spielerreihenfolge. Dann müssen wir nur noch schwer gelangweilt Lyra zum Ziel schleppen. Das Ende verläuft also äußerst unbefriedigend. Obwohl, es ist das Ende und das finden wir alle äußerst positiv. Abrechnung, A. hat gewonnen. Eine Stunde haben wir gespielt. Ich habe mich schrecklich gelangweilt. Das Spiel ist staubtrocken. Und bei meinen Mitspielern ist dies das erste Spiel, das ich mitgebracht habe, das Ihnen auch nicht gefällt. Ein wirklich schlechtes Zeichen. Auch bei Jens ist die Schmerzgrenze sonst ziemlich hoch angesetzt, aber auch hier: nee, das spiele ich nicht noch einmal.
Spannung? Nein. Spaß? Nein? Atmosphäre? Nein. Noch nicht mal hübsch anzusehen ist das Ganze. Die einzelnen Elemente wirken in der Gesamtheit einfach nur bunt und wild. Filmfotos, die lieblos zusammengefügt worden sind. Ganz gut ist die Idee mit dem Kompass, an dem wir drehen müssen, das passt hervorragend zur Geschichte. Funktionieren tut das Ganze auch schon irgendwie. Aber das tut Mau Mau auch. Und da spiele ich ehrlich gesagt lieber eine Stunde Mau Mau.
Wertung: 3 von 10
Der goldene Kompass - Das Spiel zum Film, Francesco Nepitello & Marco Maggi, Kosmos Verlag, 2007, 2 - 4 Spieler.
Vielen herzlichen Dank an den Kosmos Verlag für das Rezensionsexemplar!
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